dradiowissen-klein

Neue Heimat für uns: Was mit Medien zieht bei DRadio Wissen ein!

Unser Podcast zieht um: Vom Campusradio zum Deutschlandradio! Was mit Medien gibt es ab sofort bei DRadio Wissen.

Mit dieser Meldung in eigener Sache melden wir uns extrem gut erholt aus unserer Sommerpause zurück. Wie wir euren Tweets entnehmen konnten, habt ihr euch schon gewundert, warum wir uns in den letzten Wochen so rar gemacht haben, und warum die Sommerpause länger als üblich dauerte. Das hatte einen Grund!

Wie wechseln den Sender! Wir ziehen vom Campusradio Radio Q in Münster zu DRadio Wissen nach Köln. Ab dem 18. Oktober 2012 hört ihr uns jeden Donnerstag zwischen 18:00 Uhr und 19:30 Uhr beim digitalen Wissenskanal des Deutschlandradios.

Wir sind extrem glücklich, mit unserem Projekt ein neues Kapitel aufschlagen zu können. Gerade bei DRadio Wissen eine neue Heimat gefunden zu haben, ist für uns der Idealfall. Getreu dem Sendermotto “Hirn will Arbeit”, können wir eure Hirne viel regelmässiger und länger mit Arbeit versorgen.

Was wird sich ändern? Nun, wir werden euch jede Woche eine neue Ausgabe präsentieren bekommen und dabei sogar mehr Sendezeit haben. Der Grund: Wir senden donnerstags im Rahmen der Redaktionskonferenz. Künftig gibt es uns 90 statt 60 Minuten zu hören. Aber eins können wir euch versprechen: Am Sound, an den Inhalten und am Stil von unserem Medienmagazin ändern wir nichts. Das ist unser Arbeitsauftrag, den wir von den DRadio Wissen bekommen haben.

Übernächste Woche geht es somit schon los. Ihr könnt es euch vorstellen: So ein Umzug bringt viel Arbeit mit sich. Kisten packen, neues Domizil ausmessen, alles neu einrichten, die Nachbarn kennen lernen … wie es uns bei dem Umzug ergeht, werdet ihr auf unserer Webseite erfahren. Wir wollen regelmässig drüber bloggen.

Auch wenn es noch etwas Arbeit gibt: Wir freuen uns auf unsere nächste Sendung, die dann schon bei DRadio Wissen sein wird. Wir hoffen, ihr seid dabei!

Mediale Grüße,

Herr Pähler & Daniel!

P.S.: Wenn ihr unsere Show nicht verpassen möchtet, dann holt euch unseren Podcast!

Es folgt die offizielle Pressemitteilung des Deutschlandradios:

DRadio Wissen macht was mit Medien

Daniel Fiene und Herrn Pähler ziehen vom Campusradio zum Deutschlandradio

Köln. Daniel Fiene und Herr Pähler vom Online-Medienmagazin „Was mit Medien“ haben ein neues Zuhause und sind ab dem 18. Oktober im Programm von DRadio Wissen zu hören. Ab sofort verstärkt das Moderatoren-Duo die Redaktion des Senders und berichtet von nun an einmal wöchentlich im Auftrag des Wissensprogramms aus der Familie Deutschlandradio über die Welt der analogen und digitalen Medien. 

Jeden Donnerstag ab 18 Uhr präsentieren Daniel Fiene und Sebastian Pähler, der sich im Radio selbst nur „Herr Pähler“ nennt, live ein eineinhalbstündiges Magazin-Format mit Reportagen, Beiträgen, Interviews und Hintergrundgesprächen zu aktuellen und zukünftigen Medienthemen. „Schon bisher zeigten die Beiden sich in ihrem Medienmagazin ,Was mit Medien‘ unkonventionell, kritisch und unterhaltsam und bieten jede Menge Medienwissen hörernah aufbereitet. Das Magazin im Rahmen der Sendung ,Redaktionskonferenz‘ ist damit eine echte Bereicherung unseres Programms und passt darüber hinaus ideal zu unserem Anspruch, neue Wege für das Radio von morgen testen zu wollen“, erklärt DRadio Wissen-Chef Dr. Ralf Müller-Schmid. Wie für das
„Wir wollen Orientierung bieten im Informationsdschungel zwischen Medienwandel und Medienkrise“, erklärt Herr Pähler. „Wer uns hört, bekommt die wichtigsten Themen der Woche zusammengefasst und vor allem erklärt.“ Damit bleiben die zwei ihrem Erfolgsrezept treu. „Wir wollen selbst hinter die Kulissen der Medien blicken“, so Hörfunkjournalist Daniel Fiene. „Unsere Neugierde treibt uns an.“gesamte Programm von DRadio Wissen spielt auch für das neue Medienmagazin des Senders das Internet eine wichtige Rolle: Ziel ist es, das klassische Hören und die interaktive Radionutzung miteinander zu verbinden. Die Redaktionskonferenz verfolgt dazu mit „Was mit Medien“ ein crossmediales Konzept mit starker Online- und Social Media-Anbindung.

Das Medienmagazin „Was mit Medien“ existiert bereits seit dem Jahr 2004 als unabhängiges Onlineangebot und war zudem bis Anfang 2012 im Liveprogramm des Campusradios in Münster zu hören. In den vergangenen acht Jahren ist aus dem studentischen Radioprojekt ein anerkanntes Medienmagazin geworden, das zahlreiche Hörer in der Medienbranche und weit darüber hinaus gefunden hat. Fiene und Pähler waren für ihre Arbeit mit dem Grimme Online Award 2011 und als Journalisten des Jahres 2009 nominiert. Ab dem 18. Oktober sind sie jeden Donnerstag zwischen 18:00 und 19:30 Uhr die Gastgeber der Redaktionskonferenz.

DRadio Wissen ist unter wissen.dradio.de, DAB+ sowie über Kabel und Satellit digital zu empfangen. Die Inhalte gibt es auch auf der Webseite zum zeitversetzten Abruf. Dort ist auch künftig „Was mit Medien“ im Rahmen der Redaktionskonferenz zu finden. Wie gewohnt gibt es jede Ausgabe des Magazins nach der Livesendung als Podcast.

 

Fiene & Pähler Online-Talk

Online-Talk #13: Das vernetzte Auto

Fiene & Pähler Online-Talk

Das Auto – des Deutschen liebstes Kind? Das scheint einmal so gewesen zu sein! So folgte der Finanzkrise eine Krise der Autobranche. Die Abwrackprämie beherrschte die Schlagzeilen.  Hinzu kommt ein Wandel bei der jungen Generation: Während das erste eigene Auto lebenslang ein Statussymbol zu sein schien, hat sich das Image gewandelt: Das Auto ist ein üblicher Gebrauchsgegenstand und viele Grossstädter sind froh, wenn sie ganz drauf verzichten können. Sie setzen auf ihr Monatsticket für den Nahverkehr, ihre BahnCard 50 und nutzen die günstigen Flugtickets, mit denen AirBerlin und Lufthansa sich gegenseitig und den Billigfliegern Konkurrenz machen.

Die Autobranche versteht diese Rahmenbedingungen als Herausforderung und erfindet das Produkt „Auto“ neu. So wird in wenigen Jahren der Internet-Anschluss im Auto zum Standard gehören. Dies ermöglicht ganz neue Unterhaltungs- aber auch Serviceangebote, die es zum Teil schon heute gibt: Das Auto von zu Hause per App im Innenraum vorwärmen lassen, automatischer Rettungsruf bei Unfällen oder die kluge Umleitung bei bevorstehenden Staus. Doch wie sieht das Auto der Zukunft aus? Das vernetzte Auto — das ist das Thema in diesem Online-Talk mit Daniel Fiene und Herrn Pähler.

Die Gäste

Diesen Online-Talk findet ihr auch auf der Web-Seite von DRadio Wissen. Hier und oben im Player haben wir die direkte MP3 verlinkt. Viel Spaß beim Nachhören.

ndrscreenshot

Der Lynchmob von Emden — warum Netz und Medien nicht die Ursache sind

Der tragische Tod des Mädchens aus Emden ist schon schlimm genug. Jedoch sorgen Ermittlungspannen der Polizei und ein tobender Mob Emdener Bürger vor der Wache für weitere Negativ-Schlagzeilen. Letzterer angestachelt durch Lynchjustiz bei Facebook. Doch was sind die Ursachen dafür? Fördern Facebook & Co. den Drang erregter Bürger nach Selbstjustiz? Oder liegt das an der Medienbericherstattung? Daniel Fiene ist diesen Fragen auf den Grund gegangen.  Dieser Beitrag lief am 07. April 2012 im WDR 5 Medienmagazin Töne, Texte, Bilder.

Der Mädchenmord von Emden ist dauerpräsent in den Nachrichten- und Magazinsendungen im öffentlich-rechtlichen und privaten Rundfunk. Viele Fragen sind noch nicht geklärt. Wie ist es zu den Ermittlungspannen der Polizei gekommen? Welche Ursachen gab es für den Mob vor der Polizeiwache? Welche Rolle spielen hier soziale Netzwerke? Der Düsseldorfer Strafrechtsanwalt Udo Vetter sieht in diesem Fall ein Novum:  Wut im Netz hat sich zum ersten Mal in das wirkliche Leben übertragen.

Udo Vetter: „Es gab auch bei früheren Kriminalfällen Facebook-Gruppen, in denen über Kinderschänder gelästert worden ist, in denen ihnen übel nachgeredet worden ist und in denen es Lynchjustiz-Aufrufe gab. Wir haben es hier mit einer neuen Dynamik zu tun, die aus dem sozialen Netzwerk heraus wieder in das wirkliche Leben überspringt. Das wird als besonders bedrohlich empfunden.“

Aufrufe zum Lynchen sind eine Straftat. Wer zum Mord aufruft, muss damit rechnen dieselbe Strafe zu erhalten, wie ein potentieller Täter.

Udo Vetter: „Wenn es tatsächlich zu einem Mord kommen sollte, dann würde zum Beispiel derjenige, der aufgerufen hat, auch möglicherweise eine lebenslange Freiheitsstrafe erhalten. Wenn das Opfer dieses Lynchaufrufs, also hier der vermeintliche Täter, zum Beispiel schwer verletzt wird, dann kann das eine gefährliche Körperverletzung sein. Das kann bis zu 10 Jahren Gefängnis bringen.“

Bleibt der Aufruf ohne Folgen, ist eine Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren möglich. Dabei ist es unerheblich, ob der Lynchaufruf in der Öffentlichkeit oder im privaten Kreis am Tresen oder gar am Familie-Küchentisch erfolgt. Kommen hier soziale Netzwerke in’s Spiel wird es kompliziert.

Udo Vetter: „Die Rechtssprechung sagt, wir haben Meinungsfreiheit in Deutschland. Jeder hat das Recht seine Meinung zu sagen. Jeder muss auch mal Dampf ablassen. Man muss das dann, und viele Gerichte machen das mittlerweile auch, sagen: An wen war das gerichtet? Wenn es nur die Leute sind, bei denen ich ansonsten auch straflos schimpfen kann, dann ist das noch im erträglichen Rahmen, womöglich. Wenn ich das aber öffentlich mache und in Kauf nehme, dass das jeder liest und sich vielleicht dann anschließt, dann überschreitet das das zulässige Maß.“

Im Fall Emden ist es bei Beleidigungen nicht geblieben. Die Medien berichten fassungslos über das Hochschaukeln der Emotionen der Emdener Bürger – wie hier ein Ausschnitt aus den Tagesthemen zeigt.

Caren Miosga: „In Zeiten des Internets in dem sehr viele Leute, sehr schnell, vorschnell, öffentlich über jemanden richten können, muss die Polizei offenbar noch sensibler und bedachter vorgehen.“

Rechtsanwalt Udo Vetter geht einen Schritt weiter. Die Polizei muss nicht vorsichtiger mit Informationen umgehen, sie muss mit ihnen richtig umgehen und darf sich nicht dem Druck beugen, schnelle oder gar vorschnelle Ergebnisse liefern zu müssen.

Udo Vetter: „Dass was bei Facebook verbreitet wurde, und dieser Lynchmob, der sich vor der Wache dort versammelt hat, das ist ja sozusagen nur das Ergebnis einer fehlerhaften Pressearbeit. Das fängt an bei der Staatsanwaltschaft und der Polizei, die eigentlich den jahrzehntelangen Grundsatz, dass die Polizei und die Staatsanwaltschaft erst einmal die Klappe halten sollen, bis sie genau wissen, wer der Täter ist, immer mehr durchbrechen. Das liegt in meiner Erfahrung auch ein bisschen daran, dass Staatsanwälte und auch mitunter Polizisten auch ein bisschen an die Karriere denken.“

Solange die Behörden noch keine wasserfesten Informationen haben, sollten sie lieber schweigen. Im zweiten Schritt sieht Vetter die Medien in der Verantwortung – inzwischen würden sie für eine gute Geschichte viel zu viele Informationen veröffentlichen.

Udo Vetter: „Es gibt ja nicht umsonst den Pressekodex in dem das alles geregelt ist. Es wird immer wieder sehenden Auges dagegen verstoßen. Dass persönliche Details weitergegeben werden, die durch die Internetgemeinde rekonstruiert und weiterrecherchiert werden.“

Der Medienkonsument steht am Ende dieser Kette. Er sammelt Informationen über das Netz. Stelle Bezüge her und drückt öffentlich seine Haltung zu einem Thema aus. Das in Echtzeit.

Udo Vetter: „Dann gibt es immer wieder Leute, die wir jetzt auch kennengelernt haben, die zu Lynchmord und Mobs vor Polizeiwachen aufrufen.“

Es haben also weder das Internet noch soziale Netzwerke Schuld daran, dass es Aufrufe zum Lynchen und gar den Mob vor der Polizeistation gab. Rechtsanwalt Udo Vetter sieht hier den Staat in der besonderen Verantwortung.

Udo Vetter: „Eine Kausalkette wird immer in Gang gesetzt an sich von der Polizei und Staatsanwaltschaft, weil  ohne Informationen, die die Ermittlungsbehörden womöglich voreilig herausposaunen, könnten weder die Medien, noch dieser unerfreuliche Mob im Internet überhaupt Fehler machen.“

***

Dieser Beitrag lief am 7. April 2012 im WDR 5 Medienmagazin Töne, Texte, Bilder. Hier geht es zur Sendungsseite und der Podcast ist auf dieser Webseite abzurufen. Das WDR 5 Medienmagazin Töne, Texte, Bilder ist an jedem Samstag von 15:05 – 15:35 Uhr zu hören. Links: Sender– Sendungsseite– Frequenzen– Livestream – Podcast.

Tipp: Uns gibt es auch als RSS-Feed in verschiedenen Geschmacksrichtungen. Hier gibt es unsere Texte aus dem Blog und hier gibt es unseren wöchentlichen Podcast.

 

Fiene & Pähler Online-Talk

Online-Talk #12: Nach dem Wulff-Debakel: Netzmeinung = Volksmeinung?

Fiene & Pähler Online-Talk

Mit seinem Rücktritt, hat die Bundespräsidenten-Affäre um Christian Wulff ihren Höhepunkt erreicht. Es bleibt ein neuer Bundespräsident, die strafrechtlichen Ermittlungen rund um Wulff und eine Debatte über die Haltung des Netzes.

So schien die Haltung der Deutschen nach Wullfs TV-Interview bei ARD & ZDF eindeutig: Kommentare bei Facebook & Twitter und auch entsprechende Online-Votings zeigten eine Anti-Haltung. Doch deckt sich diese mit der Volksmeinung? ARD-Chefredakteur Jörg Schönenborn berichte, dass die für Wulff negativen Ergebnis bei Online-Votings nicht repräsentativ seien, da sich die teilnehmenden Nutzer übermäßig politisch interessierten.

Im Gegenteil: In anderen Umfragen werde deutlich, dass ein großer Teil der Bevölkerung im Widerspruch mit dem Voting sogar mit Wulff Mitleid hatte. Deswegen fragen wir nach dem Wulff-Debakel: Netzmeinung = Volksmeinung? — das ist das Thema im Online-Talk mit Daniel Fiene und Herrn Pähler am 25. Februar 2012 gewesen.

Die Gäste:

  • Heiko Gothe (Infratest Dimap)
  • Sebastian Horn (Zeit Online)
  • Christian Jakubetz (Journalist) 
  • Christoph Neuberger (Professor LMU München).
Diesen Online-Talk findet ihr auch auf der Web-Seite von DRadio Wissen. Hier und oben im Player haben wir die direkte MP3 verlinkt. Viel Spaß beim Nachhören.
Online-Talk mit Franziska Blum

Online-Talk #11: Von Mama-Blogs und Papi-Foren

Online-Talk mit Franziska Blum

Daniel (links) und Herr Pähler (rechts) mit ihrem Gast Franziska Bluhm (mitte) im Kölner Studio von DRadio Wissen.

Zukünftige Mamas und Papas nutzen sie – genauso wie frische oder gar erfahrene Eltern: Communities, Foren oder Blogs rund um das „Eltern sein“. Diese Webseiten bekommen inzwischen genauso viel Aufmerksamkeit geschenkt wie klassische Eltern-Zeitschriften oder Ratgeber-Bücher.

Die digitalen Eltern konsumieren aber nicht nur Wissen, sondern erzählen auch ihre eigenen Geschichten und treten mit anderen in Kontakt, um sich mit der eigenen Lebensphase auseinander zu setzen. Wie genau sehen die Vorteile aus? Wo gibt es Nachteile? Eltern und das Netz — das ist das Thema im Online-Talk mit Daniel Fiene und Herrn Pähler vom 28.01.2012.

Unsere Gäste: Patricia Cammarata (dasnuf.de), Franziska Bluhm (franziskript.de), Nina Pagalies (wortwusel.net). Die Sendung könnt ihr direkt als MP3 laden, oder auch auf der Sendungsseite von DRadio Wissen nachhören.

Exif_JPEG_PICTURE

Online-Talk #9: Der Tod und das Netz

Der Tod und das Netz — Trauer im digitalen Zeitalter, das war unser Thema am Samstag (26.11.2011) im Online-Talk mit Daniel Fiene und Herrn Pähler bei DRadio Wissen. Wir haben für euch hier den Mitschnitt der Sendung.

Die Sendung:

Zu Gast: Alexander Heinrich (life-after.me) und Dr. Philip Lüghausen (Rechtsanwalt) und Prof Dr. Reiner Sörries (Direktor Museum für Sepulkralkultur) und Suzan Bazarkaya (DRadio Wissen Onlinerin).

[audio:http://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2011/11/26/drw_201111261102_online_talk_vom_26_11_2011_11_00_dbfd71b9.mp3]

MP3-Datei und die Sendungsseite bei DRadioWissen.

Der Inhalt:

Wir erleben derzeit die erste Generation, die mit dem Internet aufwächst. Auch für ältere Generationen gehört das Internet zum Alltag dazu. Während in sozialen Netzwerken Eltern für ihren Nachwuchs beglückwünscht werden, spielt das Netz auch am anderen Ende des Lebens eine Rolle. Je älter das Internet wird, desto häufiger muss sich die Gesellschaft auch mit der Trauer im digitalen Zeitalter auseinander setzen.

Foto: Dr. Philip Lüghausen, Suzan Bazarkaya, Herr Pähler und Daniel.

Medienforum NRW (Foto: © Uwe Voelkner / Fotoagentur FOX)

Wie der digitale Wandel das 23. Medienforum NRW spaltete — unser Bericht für das Radio Eins Medienmagazin

Medienforum NRW (Foto: © Uwe Voelkner / Fotoagentur FOX)

Für das Radio Eins Medienmagazin hat Daniel vom NRW-Medienforum berichtet. Praktische Links zur Sendung gibt es am Ende des Artikels.

[audio:http://download.radioeins.de/mp3/medienmagazin/mm20110625_1.mp3]

Es folgt das Skript, das als Grundlage für das Gespräch diente:

Jörg Wagner: Von Medien, Macht und Menschen – unter diesem Motto hat sich in dieser Woche die deutsche Medienbranche in Köln getroffen: Dort fand das diesjährige NRW-Medienforum statt. Und das zum 23. Mal. So wohlklingend (oder vielleicht gediegen?) wie das Motto lief es dann aber doch nicht ab – zum Auftakt kam es zu einem regelrechten Wortgefecht: Zwischen der WDR-Intendantin und ARD-Vorsitzenden Monika Piel und dem freien Journalisten und Blogger Richard Gutjahr. Während ich nur die Schlagzeilen und die Streams verfolgte, war für das radioeins Medienmagazin Kollege Daniel Fiene mittendrin …

Daniel Fiene: … hallo Jörg!

Jörg: In der Presse waren Schlagzeilen à la „Zoff: Blogger Gutjahr vergleicht ARD-Chefin Piel mit Despoten in Nordafrika“ oder „Blogger sorgt für einen Eklat“ zu lesen. Was hast du da beobachtet?

Daniel: Also das war wirklich ein scharfer Wortwechsel – aber ein Eklat war das dann doch nicht. Es ging darum, wie sehr sich TV-Sender auf die neuen Medien (insbesondere Blogs und soziale Netzwerke) einstellen. Gutjahr, der ja selbst nach Ägypten zur Revolution reiste, nicht um für seinen Sender Bayerischer Rundfunk, sondern für sein Blog zu berichten, kritisierte die fehlende Vorbildsfunktion der Senderbosse und Verbandsleiter. Diese Diskussion lief allerdings etwas aus dem Ruder. Hören wir einmal kurz rein.

[audio:http://www.wasmitmedien.de/audio/2011/06-medienforum/oton-twitter.mp3]

Auch wenn beide Positionen irgendwie klar waren, fehlte die Botschaft: Dieser Wortwechsel hat zwar abseits vom Medienforum viel Resonanz gefunden, aber die Diskussion nicht viel weiter gebracht. Ein Podiumsteilnehmer bezeichnete das als Konflikt zwischen Öffentlicher-Rechtlich-Etablierte und Öffentlich-Rechtliche-Rebellen. Wie weit es mit dieser Diskussion ist, sehen wir an einem interessanten Einwurf von Dirk von Gehlen. Er ist Redaktionsleiter von jetzt.de, von der Süddeutschen Zeitung und kommentierte in seinem Blog so:

„Twitter – und damit der netzbasierte Dialog – ist nichts anderes als das Telefon. Nicht komplizierter, aber eben auch nicht unwichtiger. Man kann auch als Journalist oder als Sender ohne Telefon sehr erfolgreich sein. Dennoch würde niemand auf einem Podium behaupten, es sei absolut irrelevant, ob man telefoniere oder nicht.“ – soweit Dirk von Gehlen.

Jörg: Soweit nachvollziehbar, worüber ich mich aber wunderte, warum sich Richard Gutjahr auf Bitten des Moderators der Veranstaltung, Dieter Moor, überreden ließ, zu Beginn seines Auftritts vor das Fachpublikum zu treten und zu zeigen, wie man vom Handy aus bloggt. Muss man das im Jahr 2011 noch? Wenn man bedenkt, dass Dieter Moor einmal der Präsentator des VOX-Medienmagazins canale grande war und selbst irgendwie Medienerfahrung hat und  dann das Prinzip Smartphone, das gibt’s ja nun schon zumindest mit dem iPhone wenigstens vier Jahre.

Daniel: Als du mir die Frage schon vor ein paar Tagen stelltest, ist mir keine Antwort auf die Frage eingefallen; ausser vielleicht: Für viele Medienforums-Gäste muss man das wohl zeigen. Aber das stimmt natürlich nicht. Ich glaube, es gibt eine Spalte im Journalismus: Zwischen den Akteuren, die den Journalismus in erster Reihe betreiben und denen, die darüber entscheiden oder Journalismus verwalten. Für uns ist es Alltag, nicht nur in der Sendung zu berichten, sondern auch schon von unterwegs vorab oder währenddessen via Netz zu berichten.

Jörg: Die medienpolitische Nachricht vom Medienforum ist die der Werbefreiheit von ARD und ZDF. NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft will ein Werbeverbot erreichen – diese Diskussion ist ja nicht neu um nicht zusagen asbachuralt. Aber was steckt nun da hinter?

Daniel: Die ist wirklich nicht neu. RTL-Chefin Anke Schäferkordt kommentierte das Vorhaben auch mit „Ich glaube das erst, wenn das Werbeverbot auch da ist“. Aber zurück zu Kraft: Sie will ARD und ZDF 2017 werbefrei sehen. 2013 wird auf die Haushaltsabgabe umgestellt, dann könnte das die Grundlage sein, 2015 die Werbung zu reduzieren und 2017 dann ganz zu verbieten. Die ARD-Vorsitzende Monika Piel gab sich abwartend — wenn die Gesetzgeber dies so wollen, dann würde die ARD dem natürlich entsprechen. Bei der TV-Werbung geht es konkret um 500 Millionen Euro die ARD und ZDF verdienen, die müssten dann über die Haushaltsabgabe kompensiert werden, so Monika Piel. Einen interessanten Einwurf gab es übrigens vom Werbefachmann Professor Sebastian Turner – er meinte ARD und ZDF bräuchten die Werbung – wenn auch aus einem ganz anderen Grund – und zwar, um modern zu bleiben!

[audio:http://www.wasmitmedien.de/audio/2011/06-medienforum/oton-werbung.mp3]

Für das Geschenk verantwortlich sind jetzt erst einmal die Politiker – entschieden ist noch nichts.

Jörg: Am Dienstag wurde der Printgipfel auf dem Medienforum von dieser Nachricht regelrecht überrascht: 8 Verlage haben gegen die Tagesschau-App Klage eingereicht. Ich erinnere mich noch, dass es vor genau einem Jahr auf dem Medienforum um genau diese App auch ging. Bei den Münchner Medientagen dann erneut. Nun ist die App rund ein halbes Jahr auf dem Markt es ist ruhiger geworden, weil man gesehen hat, dass sie nur die Lesbarkeit der Internetfassung der tagsschau auf dem Handy verbessert und jetzt plötzlich diese Klage. Wie hat man dies dem Fachpublikum erklärt?

Daniel: Christian Nienhaus, der Geschäftsführer der WAZ-Mediengruppe und Vorsitzender des NRW-Zeitungsverlegerverband, erklärte, dass acht Zeitungsverlage gegen die ARD wegen der Tagesschau-App vor dem Landgericht Köln Klage eingereicht hätten. Darunter, außer der WAZ-Gruppe, auch die Zeitungshäuser M. Dumont Schauberg, Rheinische Post, Lensing Wolff und Axel Springer sowie die Verlage von Frankfurter Allgemeine Zeitung und Süddeutsche Zeitung. Die Begründung der Verleger:  Der Rundfunkstaatsvertrag verbietet den Öffentlich-Rechtlichen, zeitungsähnliche Inhalte ins Netz zu stellen. Und als eben solches deuten sie die Tagesschau-App. (Wobei im Gesetzestext ist nicht von zeitungsähnlichen Inhalten die Rede, sondern von “nichtsendungsbezogene presseähnliche Angebote sind nicht zulässig”).

Ich denke diese Diskussion ist auch dem Thema Kontrollverlust unter zu ordnen. Darüber hat dann auch Tim Renner gesprochen. Spätestens seit dem er als Chef von der Universal-Plattenfirma am eigenen Leib erfahren mußte, was Kontrollverlust bedeutet, treibt ihn dieser digitale Wandel. Und das hat er den Print-Leuten auf dem Medienforum erklärt — und mit der Zeit verglichen,  wenn die eigenen Kinder ausziehen.

[audio:http://www.wasmitmedien.de/audio/2011/06-medienforum/oton-renner-1.mp3]

Hier ein konkretes Beispiel: Nehmen wir das Ende von der Webseite Kino.to. Renner meinte, wir brauchen keine stärkere Verfolgung von illegalen Streams. Die Konzerne solltenlieber  über die Verwertungskette von Filmen nachdenken. Ganz offensichtlich, sonst hätte Kino.to nicht die angeblichen Millionen-Umsätze gemacht, gibt es einen Markt für das Streamen von aktuellen Kinofilmen. Warum nicht das passende legale Geschäft dazu liefern. Auf dem Medienforum wurden Medienhäuser von sehr vielen Sprechern mit der Katholischen Kirche verglichen – Renner blieb im Bild.

[audio:http://www.wasmitmedien.de/audio/2011/06-medienforum/oton-renner-2.mp3]

Er warnte also vor irgendwelchen Netzsperren.

Jörg: Jetzt haben wir viel über Medien und Macht gesprochen – aber wo bleiben die Menschen?

Da habe ich dir noch zwei Beispiele mitgebracht. Einmal von Margot Käßmann. Die Theologin verlor im letzten Jahr ihren Job an der Spitze der evangelischen Kirche und das erlebte hat sie in einer Kritik zusammengefasst: Medien dürften ihre Macht nicht missbrauchen.

[audio:http://www.wasmitmedien.de/audio/2011/06-medienforum/oton-moral.mp3]

Dann hat mich persönlich Esra’a Al-Shafei begeistert. Das ist nicht ihr richtiger Name. Sie durfte auf dem Medienforum auch weder gefilmt noch fotographiert werden – und zwar zu ihrem Schutz. Sie ist 25, kommt auf Bahrain und ist eine digitale Aktivistin: Sie betreibt die Plattform mideastyouth.com. Diese Plattform ermöglicht es anderen jungen Menschen in ihrer Heimat, Bilder und Videos von Protesten gegen die Herrschenden zu veröffentlichen. Sie fordern, dass die Menschenrechte eingehalten werden. Und wie sie auf dem Medienforum rumlief war das eine ganz normale, junge, zierliche Frau – sie fällt überhaupt nicht auf – aber die Geschichten die sie erzählt hat, haben mich wirklich extrem beeindruckt – wenn ich mir ihre Geschichte anhöre, wie wichtig dort digitale Medien sind – und wie die dort eingesetzt werden, dann wird mir bewußt, wie absurd manche Debatte ist, die hier bei uns geführt wird.

Jörg: Daniel Fiene berichtete vom Medienforum NRW – das hat in dieser Woche zum 23. Mal in Köln stattgefunden.

Die komplette Sendung sowie das einzelnen Gespräch gibt es wie gewohnt auf der Heimseite von Jörg Wagner unter wwwagner.tv zu hören. Das Radio Eins Medienmagazin läuft an jedem Samstag zwischen 18:00 und 19:00 Uhr. Links: Sender – Sendungsseite– Frequenzen– LivestreamPodcast. Am Sonntag läuft die Kurzfassung mehrmals im Inforadio, beginnend um 08:45 Uhr. Links: Sender– Sendungsseite– FrequenzenLivestream – Podcast.

Daten - das neue Öl? (Foto: Flickr / Wolfgang Haak)

Daten – das neue Öl?

Daten - das neue Öl? (Foto: Flickr / Wolfgang Haak)

Die Welt der Daten bestimmt inzwischen auch die Geschäftswelt. Das haben wir jetzt auch auf der Next Conference gesehen. Diese Webkonferenz, organisiert vom Internetdienstleister SinnerSchrade, wählte das Motto: Data Love. Von der Liebe zu den Daten. Was deutlich wurde: Wenn Unternehmen mit Daten Geld verdienen können, ist es nachvollziehbar, dass sie Daten auf eine gewisse Art lieben.

Von Daniel Fiene

Es herrscht Goldgräberstimmung. Startups sind wieder angesagt, fast so wie kurz vor dem Zusammenbruch der New-Economy. Die Startups präsentieren ihre nächste große Idee. Es gehört zum guten Ton, dass diese Ideeauch immer irgendwie was mit Daten zu tun hat.

Diese Welt ist aber nicht nur schillernd. Andrew Keen, der sich selbst als der Anti-Christ des Silicon Valley bezeichnet, hat sich mit der These „Daten sind das neue Öl“ auseinander gesetzt und ein bedenkliches Bild gezeichnet. Auf der einen Seite sind Daten heutzutage der Rohstoff, aus dem Milliardäre gemacht werden. Auf der anderen Seite wird es in dieser Datenwelt laut Keen künftig keine Privacy mehr geben. Der Nutzer kann sich Facebook & Co. nur schwer entziehen. Schuld ist der virtuelle Gruppenzwang; der Wunsch mit Freunden in Kontakt zu bleiben. Der Privacy-Konflikt entsteht, da es im Web 2.0 vorausgesetzt wird, dass sich Nutzer mit ihren richtigen Namen anmelden. Nur Künstler könnten sich in dieser Datenwelt verstecken, weil sie sich selbst eine eigene Identität geben. Keen erwartet deswegen auch eine Gegenbewegung: Immer mehr Menschen möchten diesem „neuen Öl“ widerstehen. Um sie herum werden Angebote und Geschäftsmodelle entstehen, die genau diesen Wunsch bedienen — Geldverdienen mit der Datenangst.

Ein Hauch Menschlichkeit zwischen den Geschäftsmodellen

Auf der Next wurden allerdings auch konkrete Daten-Geschäftsmodelle diskutiert, welche die kommerzielle Welt beherrschen. Die E-Commerce-Unternehmer und -Berater berichten von einem radikalen Wandel im Kundenverhalten. Firmen besitzen einen Kunden nicht mehr, sondern sie müssen ihm ein Erlebnis bieten. Bei all der Vermarktbarkeit der Daten müsste eigentlich konsequent von Data Porn gesprochen werden, und nicht von Data Love.

Konkreter ging es bei den Präsentationen der jungen Startups zu. Was sie gemeinsam hatten: Trotz Daten-Goldgräber-Stimmung, stufen sie den persönlichen Kontakt zum Nutzer als immer wichtiger ein. Dienste wie Soundcloud oder Handelsplattformen wie Etsy legen großen Wert auf Meetups. Diese Nutzertreffen werden veranstaltet, um einen direkten Draht aufzubauen. Andere Startups wie Qustodian kümmern sich um mobile Werbung, bei denen die Empfänger voll uns ganz bestimmen können, welche Botschaft sie erreicht.

Wenn Daten Gutes tun

Es ist bekannt, wie visualisierte Check-In-Daten helfen können, öffentliche Transportsysteme zu optimieren. Dienste wie Jovoto helfen allerdings auch, mit Hilfe der Daten Umweltprobleme anzugehen. So wurden mit dem Projekt Betacup Wege gesucht, wie das Problem der Verschwendung von Kaffeepappbechern bei Kaffeehändlern gelöst werden kann. Aus den Ideen von sehr vielen Nutzern ist eine Art Bonuspunkte-System für Pappbecher-Vermeider entstanden.

David Rowan, der Chefredakteur der Wired UK, hat Projekte vorgestellt, wie Daten kranken Menschen helfen. Es gibt Portale wie patientslikeme.com und curetogether.com, auf denensich kranke Menschen vernetzen. Es werden Daten über ihr Wohlbefinden und ihre Behandlungsmethoden gesammelt. Die Ergebnisse helfen dann der Forschung, aber auch den einzelnen Kranken. Vielleicht ein praktisches Beispiel: Asthmapolis.com übermittelt automatisch Daten, wann und wo Patienten ihr Asthmaspray einsetzen. Die visualisierten Daten liefern dann interessante Erkenntnisse: Gibt es in einer Stadt bestimmte Gebiete oder Zeiten, an denen es besonders häufig zu Asthmaanfällen kommt? Wenn Patienten Muster bei der Visualisierung feststellen, dann hat das Auswirkungen auf das eigene Verhalten und kann letztendlich den gesundheitlichen Zustand verbessern.

Tipp: Uns gibt es auch als RSS-Feed in verschiedenen Geschmacksrichtungen. Hier gibt es unsere Texte aus dem Blog und hier gibt es unseren wöchentlichen Podcast.

Dieser Text basiert auf meinen Notizen für meine Besprechung zu diesem Thema in der aktuellen Deutschlandradio Kultur Sendung Breitband. Das Gespräch könnt ihr auf der Sendungsseite noch einmal nachhören.

RIMG0020

DRadio Wissen am Ostersamstag: Der i-Hype – wie abhängig seid ihr von euren Gadgets?

Hand aufs Herz: Wie abhängig seid ihr von eurem Handy? Könnt ihr ein paar Tage ohne Notebook und DSL-Anschluss auskommen? Darüber wollen Herr Pähler und Daniel mit euch am Samstag im Online-Talk bei DRadio Wissen sprechen. Wir haben eine Bitte an Euch: Sprecht eure Meinung schon jetzt auf unseren Skype-Anrufbeantworter.

Worum es geht

„Ohne mein Handy könnt‘ ich nicht!“ Nicht wenigen läuft ein kalter Schauer über den Rücken, wenn sie für ein paar Tage auf ihr geliebtes Gerät verzichten müssen. Wie verbringen wir unsere Zeit in der U-Bahn? Wie oft ertappen wir uns selbst unangenehm berührt, wenn wir mit der Hand in die Tasche zu gleiten, ohne dabei auf das Handy zu stoßen? Fühlen wir uns von unserer Umwelt abgeschnitten? So richtig offline? Wer ehrlich ist: Die Allermeisten möchten auf ihre Gadgets nur ungern verzichten. Inzwischen ist es nicht nur bei einem Gerät geblieben. Man spricht von der Generation Ladekabel. Doch worin liegt diese Gadget-Faszination begründet? Ist es Abhängigkeit oder Popkultur? Der Hype ums i – das ist das Thema im Oster-Online-Talk mit Daniel Fiene und Herrn Pähler.

Die (vorläufige) Gästeliste

  • Richard Gutjahr, Blogger und TV-Journalist. Zwar ist er Apple-Fanboy, hat in dieser Woche das iPhone zum Stasiphone gemacht.
  • Kirstin Hofkens, App-Entwicklerin. Sie beschäftigt sich mit Apps für Kinder und erklärt uns den Alltag der heranwachsenden Generation Ladekabel.
  • Moritz Metz, Hörfunk-Journalist. Er hat eine Reportage um den Gadgetrausch gemacht, denn Gadgets sind längst die Popkultur des 21. Jahrhunderts.
  • Claudia Sprinz, Greenpeace Österreich. Sie klopft Elektronik auf ihre umwelttauglichkeit ab und gibt Kauf- und Nutzungstipps für Gadgets. Zu empfehlen ist auch der Guide to Greener Electronics.

Der Skype-Anrufbeantworter

Wir möchten von Euch wissen: „Wie wichtig sind für Euch Eure Gadgets? Könnt ihr drauf verzichten“ Sprecht eure Meinung auf unseren Anrufbeantworter. In der Sendung am Samstag (23.04.) werden wir den Anrufbeantworter abhören.

So erreicht ihr den Skype-Anrufbeantworter:
Skype-Nutzername: onlinetalkwissen
Oder per Telefon: 0211 2482 0422


Skype Me™!

Die Sendung könnt ihr am Samstag ab 11 Uhr auf http://wissen.dradio.de hören. Die letzte Sendung (siehe Foto: Daniel Fiene, Gast Ulrike Langer und Herr Pähler) könnt ihr auch noch online nachhören.

Umbruch im Blätterwald (Foto: Flickr.com / carmichaellibrary)

Von Redaktionen und Fusionen – die Sparversuche der Verleger

Umbruch im Blätterwald (Foto: Flickr.com / carmichaellibrary)

Outsourcen, fusionieren, entlassen – seit die Auflagenzahlen sinken werden diese Begriffe von den großen Verlagen immer häufiger in den Mund genommen. Sie laufen alle auf ein Ziel hinaus: weniger Personal soll für weniger Gehalt ein Maximum an Leistung bringen. Welche Konsequenzen haben diese Sparmaßnahmen für die Qualität der Blätter und sind solche Schritte tatsächlich unvermeidbar? Daniel Fiene stellt fest: Wird zu viel gespart, gerät eine ganze Branche in Gefahr. Dieser Beitrag lief am 08. März im Rahmen der Serie “Umbruch im Blätterwald” im WDR 5 Morgenecho und kann auch online nachgehört werden.

VON DANIEL FIENE

Mann: “Die WAZ ist ja die einzige Zeitung hier in Herne – die hat ja keinen Einfluß mehr.” Frau: “Wissen Sie was? Ich überfliege die immer nur. Mein Mann liest die stundenlang.” Mann: “Die berichten nicht genau. Kann man vergessen”. Mann: “Ich fühle mich genauso gut informiert, weil alles immer ordentlich geschrieben ist. Das ist auch für Leute, die nicht studiert haben, verständlich. Das ist heutzutage ja wichtig.”

Stimmen aus dem Ruhrgebiet. Eine Region in NRW die von Verleger-Sparmaßnahmen in den letzten Jahren hart getroffen wurde. 2008 entschloss sich der WAZ-Konzern zu drastischen Sparplänen. Zahlreiche Lokalredaktionen mussten schließen. Rund 300 – also ein Drittel der Redakteure – mussten gehen. Die Gewerkschaften sprachen von Untergangsstimmung. Auf der Straße scheint dies heute bei den Lesern kaum eine Rolle zu spielen. Anders bei Thomas Austermann. Er war Sport-Chef der Lokalredaktion der Münsterschen Zeitung. Die Lokalredaktion wurde 2007 über Nacht komplett vor die Tür gesetzt. Verleger Lensing-Wolff entschied sich mit einer neuen jüngeren und vor allem günstigeren Mannschaft weiterzumachen. Diese neue Münstersche Zeitung liest Austermann heute nicht mehr.

„Ich weiß, wie da im Haus gearbeitet wird. Ich weiß, welche Tarife dort bezahlt werden und ich weiß, dass ich da nicht mehr arbeiten könnte.“ Thomas Austermann.

Das Entlassen und Outsourcing der Redaktion ist für Austermann der Höhepunkt der Probleme, die sich über viele Jahre aufgestaut haben. In den 80ern hatte das Medienhaus Lensing aus Dortmund die Münstersche Zeitung übernommen.

„Der große Verlag hatte nachher den Nachteil, dass uns nachher Leute vorgesetzt waren, die mit der Materie an sich wenig zu tun hatten. Wir waren von Menschen abhängig, die gar nicht aus Münster kamen, sondern aus dem Ruhrgebiet. Die hatten von dem, was in Münster passierte herzlich wenig Ahnung“, Thomas Austermann.

Wenn Manager das Sagen übernehmen und dabei stärker auf die Finanzen achten, sind Spannungen programmiert. Natürlich ist Rentabilität wichtig, sagt Professor Armin Scholl, Kommunikationsswissenschaftler an der Uni Münster, aber nicht um jeden Preis.

“Die Frage ist: Sind solche Streichungen ökonomisch notwendig, oder sind sie mehr oder weniger eine Art Luxus für den Verleger, die damit die Rendite in einer so großen Höhe halten wollen, wie es zu den besten Zeiten mal war.” Armin Scholl.

Sparen Verleger zu stark, ist Journalismus nicht mehr möglich, so Scholl.

„Da müssen Verleger genau drüber nachdenken, wie viele Streichung überhaupt möglich ist – ob eine Streichung der Abbau einer luxuriösen Redaktionsgröße ist, oder ob man damit eine Grenze unterschreitet, die qualitativen Journalismus nicht mehr zulässt.“ Armin Scholl.

Dem stimmt auch Stefan Weigel von Gruner und Jahr zu. Im Zuge der Medienkrise wurden die eigenständigen Redaktionen der Wirtschaftszeitungen, wie der Financial Times Deutschland oder von Capital, aufgelöst und in einer Zentralredaktion untergebracht. Den Vorwurf der inhaltlichen Austauschbarkeit lässt der stellvertretende Chefredakteur der Wirtschaftsredaktion aber nicht gelten.

„Ich habe das nie verstanden, weil wir eine Redaktion mit 250 Wirtschaftsredakteuren haben. Das ist ein so großer Hühnerhaufen, da hat man schon Schwierigkeiten, wenn man die für einen Titel auf Linie bringen möchte.“ Stefan Weigel.

Der leitende Gruner und Jahr Angestellte erklärt aber, dass die Umstellung auf die Zentralredaktion und die Schließung einzelner Standorte auch für Verlage keine Freude ist.

„Sie können nicht einfach so vielen Menschen kündigen und glauben, das geht so gut und das ist keine Belastung. Das ist für die Menschen, die eine Kündigung bekommen, ein riesen Schock, das ist aber auch für alle die da bleiben und das ganze abwickeln und organisieren müssen, eine hohe menschliche Belastung.“ Stefan Weigel.

Trotzdem müssen sich Verlage die Frage stellen, wie sie in Zukunft arbeiten wollen. Und zu den Antworten gehöre einfach eine Zentralredaktion, so Weigel.

„Ein reisen Vorteil ist, dass man flexibler bei der Personalplanung ist. Ein Ressortleiter hat jetzt mehr Redakteure zur Verfügung, als er das vorher hat. Die müssen zwar auch mehr machen, aber: Er kann Lücken die durch Urlaube oder Krankheit ausgleichen, in dem ein Kollege vertritt.“ Stefan Weigel.

Wie Gruner und Jahr hat auch der Kölner Verlag DuMont-Schauberg eine Zentralredaktion für seine Zeitungen gegründet. So soll nicht jede Redaktion des Kölner Stadt-Anzeigers, der Frankfurter Rundschau oder der Berliner Zeitung separat ein Thema von überregionalem Interesse bearbeiten – hier soll die Zentralredaktion zuliefern. Das ist nicht unproblematisch, sagt Kommunikationswissenschaftler Armin Scholl:

„Wenn man sich die Bedeutung der Frankfurter Rundschau ansieht, deren Bedeutung drastisch zurück gegangen ist, dann sieht man hier schon einen Verlust, in diesem Spektrum der überregionalen Zeitungen, der kaum kompensierbar ist.“ Armin Scholl.

Zu große Redaktionen sind in Zeiten sinkender Auflagen und sinkender Werbeerlöse nicht mehr finanzierbar. Die Herausforderung besteht für die Verleger darin, nicht zu sehr an den goldenen Zeiten nach zu hängen, und die Grenze zu erkennen, an der Sparpotential aufhört und der Imageverlust beginnt.

„Eigentlich sind die Sparmaßnahmen schon längst am Ende angekommen. Viel mehr zu sparen, erdrosselt den Journalismus. Dementsprechend werden sich die Verleger fragen müssen, ob sie überhaupt noch Journalismus haben wollen, oder ob das irgendetwas anderes ist. Ich kann das gar nicht benennen, was das sein soll, aber es nicht mehr das, was Journalismus einmal ausgemacht hat.“ Armin Scholl.

Zurück nach Münster. Thomas Austermann hat mit dem Thema Tageszeitung abgeschlossen. Er betreibt heute mit einem Ex-Kollegen die lokale Sportnachrichtenwebseite Echo Münster. Er ist froh, inzwischen auf das Internet zu setzen.

„Wir sind sehr flexibel. Wir haben auch unglaublich viele junge Leserschaften. Was Leistungssport angeht haben wir unglaublich viele junge Leute – und die lesen keine Tageszeitung mehr“, Thomas Austermann.

***

Dieser Beitrag lief am 08. Februar 2011 im WDR 5 Morgenecho. Hier geht es zur Sendungsseite. Das WDR 5 Morgenecho ist werktags von 06:00 – 08:55 Uhr zu hören. Links: Sender– Sendungsseite – Frequenzen– Livestream.

Tipp: Uns gibt es auch als RSS-Feed in verschiedenen Geschmacksrichtungen. Hier gibt es unsere Texte aus dem Blog und hier gibt es unseren wöchentlichen Podcast.

Top