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90 Jahre Radio — 90 Wünsche an das Radio

Na? Hat dich dein Radiosender auch nach deinem liebsten Radioerlebnis gefragt? Gab es noch einmal ganz originell die Highlights aus neun Jahrzehnten zu hören? Durftet ihr euch noch mal eure Lieblingsmusik wünschen oder sagen, wie ihr euch das Radio in 90 Jahren vorstellt? Kein Wunder: Heute vor 90 Jahren hat in Deutschland der reguläre Radiobetrieb begonnen.

Ich will nicht zurück noch 90 Jahre in die Zukunft blicken. Ich habe einfach 90 Wünsche an das Radio.

  1. Radio im Wandel
    Lass dich nicht auf den deutschen Branchen-Pessimismus ein.
  2. Vergiss nicht, dass die einzige Konstante der Wandel ist.
  3. Der deutsche Radiomarkt ist schrecklich langweilig – ändere das. Wo bleibt ein Radiolabor?
  4. Frage dich jedes Jahr, mit welchen technischen Geräten die Hörer ihren Tag verbringen und wie du dort mit deinem Programm präsent sein kannst.
  5. Frage dich jedes Jahr, auf welchen Wegen die Hörer mit dir kommunizieren möchten. Hörst du zu? Antwortest du? Oder stehen die Hörer vor einem verschlossenen Tor? (Ja, da müssen Redaktionsabläufe angepasst werden …)
  6. Kooperiere mit anderen Medien – vom kleinen Nachbarschaftsblogger bis zur großen Zeitungsredaktion. Komplementäre Erzählweisen rund um ein Thema machen es nachhaltiger.
  7. Respektiere, dass es Unterhaltungsradios ohne journalistischen Anspruch gibt (die werden sich in Zukunft immer stärker mit Konkurrenz aus ganz anderen Medien-Bereichen auseinandersetzen und können sich dem Wandel nicht verschließen).
  8. Sei eine Instanz, statt von allem ein bisschen.
  9. Radio und Musik
    Vergiss nicht, dass die meisten Menschen dich immer noch wegen der Musik hören.
  10. Nimm Spotify nicht als Konkurrenz wahr (Plattenläden, CD-Shops oder iTunes müssen das schon machen).
  11. Mische individuelle Hörerplaylisten (iTunes, Storify) mit deinen Inhalten (und Werbeblöcken). Das ist eine phantastische Ergänzung zu deinem regulären Programm.
  12. Erkläre besser, wann welche und vor allem wie häufig Musik kommt.
  13. Radio und Hörer
    Sprich deine Hörer einheitlich an. (Warum im Radio Siezen und auf Facebook duzen? Das ist unglaubwürdig).
  14. Der Hörer will auch weiter morgens hören, dass die Welt noch in Ordnung ist.
  15. Der Hörer will eine Mischung aus Leanback und Individualisierung. Warum ignorieren wir in Deutschland letzteres?
  16. Der Hörer gewöhnt sich gerade neue Einschaltgewohnheiten an.
  17. Verpasse nicht die dritte Primetime: Wenn eine relevante Größe an Hörern abends nicht mehr vor der Glotze sitzt, sondern online geht, haben wir dann das passende Programm für deren Ohren?
  18. Sprich die Hörer so an, wie sie sich auch mit ihren Freunden unterhalten (Oder hast du schon mal am Ende eines Telefonats gesagt: “Ich bin Daniel Fiene, Guten Tag!”)
  19. Biete dem Hörer viele Mitmachmöglichkeiten.
  20. Verstehe, dass der Hörer lieber die Mitmachmöglichkeit haben möchte, als dass er sie tatsächlich nutzt.
  21. Beantworte jede (jede!) Höreranfrage. Egal ob per Telefon, Fax oder Facebook.
  22. Es gibt keine dummen Höreranfragen.
  23. Versprich dem Hörer nichts, was du nicht halten kannst. Erkläre warum Dinge so sind, wie sie sind.
  24. Radio und Programm
    Überdenke jedes Jahr dein Programm, aber bleibe konstant.
  25. Sei dir bewusst, dass du kein Gatekeeper mehr bist. Und das ist ein enormer Vorteil.
  26. Sei die bewusst, dass du künftig ein Medium bist, dass Aufmerksamkeit verteilt.
  27. Sei dir bewusst, dass Hörer sich in unserer Informationsgesellschaft überfordert fühlen.
  28. Sei ein Leuchtturm zwischen den hohen Wellen der Infoflut.
  29. Gib’ dem Hörer halt.
  30. Lass den Hörer nichts verpassen.
  31. Vergiss nicht dein Herz beim Programmmachen.
  32. Lenke die Aufmerksamkeit auf die wichtigen Themen für deine Hörer.
  33. Nutze den Longtail: Sende das Wichtigste im Radio und packe die Details und die Nischen ins Netz.
  34. Weniger ist manchmal mehr.
  35. Zelebriere den Live-Moment.
  36. Bereite Live möglichst gut vor. Überlege Trockenübungen.
  37. Habe Konzepte für mögliche (spontane) Live-Events in der Schublade.
  38. Sei dir bewusst, dass Radio nicht mehr das schnellste Medium ist – aber weiterhin ein Ort, an dem eine Masse zum ersten Mal von Themen erfährt.
  39. Bringe Hörer und Experten zusammen. Veranstalte relevante Events und berichte drüber.
  40. Radio und strategische Ausrichtung
    Während du in den letzten 90 Jahren horizontal gedacht hast, denke in den nächsten 90 Jahren vertikal.
  41. Deine Konkurrenz liegt in Zukunft nicht mehr links und rechts in deinem Frequenzspektrum.
  42. Don’t panic!
  43. Beachte welche Medien-Apps links und rechts auf den Displays der Hörer (Smartphone-, Tablet-, TV-Screen) neben deinem Sender-Icon platziert sind — das ist die neue Konkurrenz.
  44. Richte deinen Sender nicht mehr auf einen Frequenzbereich aus, sondern auf ein Thema / Lebensgefühl.
  45. Richte deine Sender nicht mehr auf eine Alterszielgruppe aus (oder willst du in zehn Jahren deine Hörer abgeben?).
  46. Radio und die Webseite
    Akzeptiere, dass das Internet nicht mehr weg geht. (Kleiner Service für die Besucher der Medientage).
  47. Erkläre auf deiner Webseite wer du bist und für was du stehst.
  48. Denke deine Webseite neu: Lass sie einem linearen Programm entsprechen und denke in Streams.
  49. Kopiere weder Spiegel Online noch Tagesschau.de. Die bilden Print und TV ab – aber kein Radio.
  50. Sortiere die Artikel nicht in klassischen Zeitungsrubriken ein. Das ist unoriginell und übersichtlich.
  51. Bringe Ordnung auf deine Webseiten. Findet der Hörer mit weniger als drei Klicks das, was er gerade im Programm hört?
  52. Denke Geographie und Handlung deiner Hörer mit: Wenn ein Hörer einen Ort besucht, du schon drüber berichtet hast, warum ihn dann nicht den Audiobeitrag anbieten? (Foursquare macht es möglich, Links zu Webseiten mit Radiobeiträgen bei Orten zu hinterlegen).
  53. Vermeide den Geburtsfehler von Print-Webseiten: Trenne nicht Online- und Radio-Redaktionen.
  54. Lerne von erfolgreichen internationalen Medien: Setzt Reporter und Programmierer an einen Tisch.
  55. Versuche an jeder Radioschicht ein Stück Online-Arbeit anzudocken.
  56. Zwinge deine Radio-Kollegen nicht zu Online. Wenn sie gute Erfahrungen machen, nutzen sie das Netz von sich aus.
  57. Sei nicht so arrogant und denke, dass die Hörer sich die Mühe machen, und extra deine Webseite aufrufen. So haben wir vor zehn Jahren gesurft. Statt Lesezeichen abzurufen, reagieren wir heute nur auf Links, die uns per E-Mail, Facebook oder Twitter erreichen.
  58. Online First ist Quatsch. Setze lieber auf einen Drei-Phasen-Lebenszyklus von Radioinhalten im Netz: 1.) Vor dem Sendeplatz: Ankündigung. 2.) Während der Sendung: Beschreibung und vertiefende Informationen (+ Links) 4.) Nach der Ausstrahlung: Zusammenfassung, Vertiefung und Nachhören.
  59. Mache deine Webseite responsive, dann braucht es nicht für jedes Mobil-System eine eigene App.
  60. Eat your own Dogfood: Probiere alle Online-Weg zu deinem Sender regelmässig aus und prüfe ob du nachziehen musst.
  61. Radio und On Demand
    Synchronisiere On Air und Online.
  62. Mach es möglich, alle Inhalte noch mal zum Nachhören anzubieten.
  63. Biete nicht nur individuelle Musik- sondern auch individuelle Themenstreams an. Kann sich ein Hörer sein persönliches Radioprogramm mischen, wird das Leute erreichen, die klassisches Radio nicht mehr mögen.
  64. Radio wird Digital
    Akzeptiere, dass es irgendwann kein UKW mehr geben wird.
  65. Achte auf deine technische Unabhängigkeit.
  66. Stichwort Netzneutralität: Lass keine technischen Gatekeeper entstehen, die ihr Händchen aufhalten, damit unsere Programme ein bisschen schneller zu unseren Hörern durchgestellt werden, als die der Konkurrenz.
  67. Weise die Politik darauf hin, dass die Hörer gerade selbst Fakten schaffen: Sie lernen übers Netz Radio zu hören. Sie verstehen nicht, warum sie sich ein DAB+-Gerät kaufen sollen.
  68. Biete deinen Stream in allen gängigen Formaten an – die Hörer wollen ihre Standardprogramme nutzen und sich nicht extra für einen Sender mit ihren Hörgewohnheiten umstellen.
  69. Radio und Social Media
    Vergiss nicht, dass Radio auch ein soziales Medium ist.
  70. Sei Selbstbewusst: Imitiere nicht die Art der Freunde deines Hörers, sondern behandle deine Hörer so, wie im Radio.
  71. Horche jedes Jahr im Umfeld deiner Hörer nach: Welche Netzwerke nutzen die? Wo musst du dein Engagement verstärken oder reduzieren?
  72. Vergiss nicht, dass dein Auftreten in sozialen Netzwerken auch das Image deiner Marke und deines Senders prägt.
  73. Vergiss keine Links auf deine Webseite.
  74. Wichtiger: Vergiss keine Links auf deinen Webstream.
  75. Denke dran, dass 30 Prozent der Hörer, die mit deiner Marke im Netz Kontakt haben, beim nächsten Radiokontakt häufiger deinen Sender einschalten.
  76. Ermuntere deine Reporter, intensiv in das Netz zu gucken: Das Netz macht transparent, was das Volk denkt.
  77. Habe keine Angst vor einem Shitstorm.
  78. Habe ein Worst-Cast-Szenario in der Schublade.
  79. Radio und PR und Business
    Freu dich, dass dein Geschäftsmodell auch mit dem Internet funktioniert (Der Quotenerhebung ist es egal, ob der Hörer per UKW, Kabel oder Internet zuhört).
  80. Verdiene auch Geld im Netz – aber warum nur auf Display-Ads setzen und nicht auch auf Audiospots?
  81. Nutze es aus, dass du ein spezialisiertes Publikum hast – das hilft bei der Monetarisierung.
  82. Richte nicht nur Partys, sondern auch ernsthafte Events aus: Leute sind bereit für Real-Life-Events zu bezahlen (und es gibt kostenlose Inhalte fürs Programm).
  83. Kleinvieh macht in Summe auch Mist.
  84. Nutze neue Werbeformen im Netz, um für deinen Sender aufmerksam zu machen.
  85. Schaue neue Geschäftsmodelle an und überlege, wie du andocken kannst (Beispiel: Radiosender bei Carsharing voreingestellt?)
  86. Braucht es noch Gummibärchentüten?
  87. Radio und Lebensgefühl
    Das Radio der Zukunft spezialisiert sich auf ein Lebensgefühl sein. Das kann eine Stadt sein (Düsseldorf, Hamburg) oder aber ein Thema (Fußball, Kultur).
  88. Sei ein Ort, an dem die Menschen Interaktion und Kommunikation zu ihren Themen wünschen und erleben.
  89. Halte die Antennen geerdet und …
  90. … bleib leidenschaftlich!

Diskutiert mit mir!

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Folge 319

Daniel und Herr Pähler haben die Radiojournalisten Sandra Müller und Lennart Hemme von der Initiative Fair Radio zu Gast. Fair Radio will die Glaubwürdigkeit des Radios wieder herstellen. Warum und wie sie das machen, erklären Sandra und Lennart in dieser Ausgabe von “Was mit Medien.”

Diese Sendung hatte Premiere bei DRadio Wissen am 29. August 2013 um 18:03 Uhr. Vertiefende Infos und Links gibt es auf unserer Sendungsseite bei DRadioWissen.

Schon den Podcast abonniert? Schon uns auf Facebook gefolgt?

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So geht Radio im Jahr 2020

Heute beginnen die Tutzinger Radiotage, die zum zehnten Mal von der Bundeszentrale für politische Bildung durchgeführt werden. Seit dem letzten Jahr gehöre ich zum Team für die Programmplanung. Wir haben uns zum Jubiläum die Hausaufgabe gegeben, unsere Vision für das Radio in zehn Jahren zu zeichnen. Wer auf den Tutzinger Radiotagen ist und sich nicht langweilen möchte, wenn ich meine Vision erzähle, sollte jetzt aufhören zu lesen.

Von Daniel Fiene

Zunächst die gute Nachricht. Die Menschen wollen weiterhin hören, die Nachricht am Morgen spielt weiterhin eine wichtige Rolle, die persönliche Ansprache ist auch weiter wichtig und unsere Geschäftsmodelle funktionieren weiterhin: Der gute alte Werbeblock läuft in einem Audiostream genauso, wie in einer UKW-Ausstrahlung.

Die schlechte Nachricht: Wir konkurrieren nicht mehr mit den Nachbarsendern im eigenen UKW-Spektrum, sondern mit allen Medien. Auf dem TV-Screen mit der Bild-App. Auf dem Tablet mit Hulu, YouTube und der Tagesschau-App. Im Radio mit BBC Radio One, dem Radioprogramm der Zeitschrift Monocle und dem Piratensender der entlassenen griechischen Staatsfunk-Journalisten.

Für Radiosender heißt das:

1. Fokussiert euch! Definiert euch nicht nach eurem Frequenzbereich, wenn es in diesem kein Einheitsgefühl der Menschen gibt. Wenn ein Sender zwei Städte in einem Kreis bedienen muss, ist das oft schon ein Problem. Frequenzbereiche werden immer irrelevanter. Konzentriert euch auf ein Lebensgefühl. Lokalität, Fußball, Urbane Städter, Geeks, Familien auf dem Land die zur Arbeit in die Grossstadt fahren. Ihr werdet nicht nur Hörer im Frequenzbereich finden, sondern Hörer weltweit, die das Lebensgefühl teilen. Grenzt euch nicht von der Radiokonkurrenz, sondern von allen Medien ab.

2. Öffnet euch! Sendet euer Programm auf alle Plattformen die von den Hörern genutzt werden. Kleinvieh macht auch Mist (und wird heute auch schon in der Quotenzählung berücksichtigt). Öffnet euch auch den Kommunikationswünschen eurer Hörer, um nicht den Anschluss zu verlieren. Dieser Wandel ist beständig. Vor zehn Jahren war das Telefon die erste Wahl. Vor fünf Jahren die Mails ins Studio, heute die Nachricht über Facebook. Wenn Radiosender hier nicht reagieren, verlieren sie den Anschluss zum Hörer.

Für Radiomacher heißt das:

1. Werdet bessere Filter! Wir sind keine Gatekeeper mehr, wir sind Filter. Wir haben unseren Job gut gemacht, wenn die Leute sagen “Immer wenn ich XYZ höre, habe ich das Gefühl nichts verpasst zu haben, das Wichtige eingeordnet zu bekommen und dabei freundlich angesprochen worden zu sein.” Je unübersichtlicher die Informationsflut ist, desto wichtiger wird unsere Filter-Funktion. Wir geben dem Hörer ein Versprechen ihm zu sagen, was für ihn wichtig ist. Das gute daran ist: Die Verfügbarkeit aller Informationen macht unsere Arbeit immer überprüfbar.

2. Baut Beziehungen zu Menschen an Einschaltgerät und hinter den Themen auf! Beantwortet jede E-Mail, jeden Kommentar, jeden Anruf ernsthaft; organisiert eigene Veranstaltungen, bringt Akteure an einen Tisch. Die Mühe lohnt: Medien müssen ein Ort sein, an dem sich die Menschen ernstgenommen und wohlfühlen. Dann entscheiden sich Menschen mit einer exklusiven Geschichte eher zu uns zu kommen. Dann entscheiden sich die Menschen mit dem Smartphone in der Hand in dem harten Konkurrenzfeld für das eigene Medium.

Generell ist Radio ein Medium, welches Aufmerksamkeit verteilt. Tiefgreifende Analysen und filigrane Kommentare  gibt es weiterhin in der Wochenzeitung. Spektakuläre Bilder liefert das Fernsehen. Für Boulevard können sich die Menschen irgendwo ein digitales Plus-Abo holen. Wenn wir unseren Job gut machen, sprechen wir nicht nur das Lebensgefühl unserer Hörer an, sondern geben ihnen auch den Überblick, überall die wichtigen Themen, die derzeit passieren. Auch 2020 wollen die Menschen das nicht verpassen.

(Foto: Auch vor etwas mehr als 20 Jahren habe ich mir schon Gedanken über das Radio gemacht.)

Folgt den Tutzinger Radiotagen auf Twitter #tura13.

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Streit ums Geld: ByteFM, detektor.fm und hörbuchFM beenden die Zusammenarbeit mit radio.de

Ein neues Kapitel in der Suche nach Finanzierungsmodellen: Die Webradios ByteFM, detektor.fm und hörbuchFM wollen zum Monatsende ihre Zusammenarbeit mit dem Aggregator radio.de beenden. Der Grund: Die Webradios wollen an den Werbeerlöse beteiligt werden, die der Aggregator im Umfeld ihrer Webstreams erzielt. Laut den Webradio-Betreibern haben die Macher von radio.de nicht auf ihre Anfragen reagiert.

Im Grunde ist dieser Streit ähnlich zu dem, den Google News und die Verleger führen. Nur dieses Mal sind die Seiten verkehrt:  Die Web-Pioniere folgen nicht dem Plattform-Gedanken, der dieses Mal von den traditionellen Medien voran getrieben wird. radio.de ist laut Selbstbeschreibung  “ein Spin-off des TheMediaLab, ein Unternehmen der Verlagsgruppen Madsack und WAZ. Weiterer Mitgesellschafter ist DuMont Ventures.”

Hier ist die Pressemitteilung, die an diesem Vormittag von den Webradios verschickt worden ist:

Berlin / Hamburg / Leipzig. ByteFM, detektor.fm und hörbuchFM beenden die
Zusammenarbeit mit radio.de. Wie die drei Sender am 24.11. mitteilten, wolle man damit
gegen die Praxis protestieren, die Anbieter qualitativ hochwertiger Radioprogramme nicht an
den Erlösen zu beteiligen, die mit der Verteilung dieser Programme erzielt werden.
Die drei Sender hatten bereits vor Monaten bei radio.de um Vorschläge gebeten, wie eine
Beteiligung aussehen könnte. Vonseiten der radio.de GmbH seien sämtliche
Kontaktaufnahmen unbeantwortet geblieben.
“Wir bedauern diesen Schritt sehr. Natürlich möchten wir mit unseren Programmen
möglichst viele Menschen erreichen. Das können wir aber nur, wenn nicht andere mit
unserem Programm Geld verdienen, indem sie es weiter verteilen, ohne uns daran zu
beteiligen”, erklärte Ruben Jonas Schnell von ByteFM.
“Unsere drei Sender investieren seit Jahren in die Entwicklung des eigenen Programms.
Gutes Programm machen kostet Geld. Wir können es daher auf Dauer nicht hinnehmen,
wenn Werbeeinahmen damit erzielt werden und bei anderen landen.”, ergänzte Marcus
Engert von detektor.fm.
“Auch wir kritisieren seit langem die fehlende Erlösbeteiligung der Programmanbieter.
Gerade ein Branchenprimus wie radio.de sollte hier mit guten Ideen vorangehen, und sich
nicht dem Dialog verschließen”, sagte Daniel Berger von hörbuchFM.
Es sei zwar richtig, dass durch eine Verteilung über Aggregatoren auch neue Hörer
angesprochen und theoretisch so größere Reichweiten erzielt werden können. Nach
Beobachtungen der Sender geschähe dies in ihrem Fall jedoch nicht in ausreichender
Größenordnung, um dauerhaft entgangene Erlöse zu kompensieren. Aus diesem Grund habe
man sich entschieden, der radio.de GmbH das Ende der Zusammenarbeit zum 30.11.
anzukündigen.
Die beteiligten Sender unterstrichen, dass die Zusammenarbeit jederzeit fortgesetzt werden
könne, wenn ein attraktives Modell zur Beteiligung der Sender von radio.de angeboten
werde.

In den nächsten Tagen dürfte es eine interessante Diskussion um diesen Schritt der Webradios geben. Wir haben eine Anfrage an die Macher von radio.de gestellt. Sobald eine Antwort eintrifft, werden wir die veröffentlichen. Wir werden in den kommenden Tagen das Thema auf dieser Seite fortführen.

Update, 15 Uhr: Das Statement von Radio.de

Radio.de-Geschäftsführer Bernhard Bahners hat uns ein Statement auf unsere Fragen geschickt, indem er auf das Anliegen von ByteFM, detektor.fm und hörbuchFM reagiert. Bahners schreibt:

Der Markt für Webradios wächst und kommt jetzt in die nächste entscheidende Wachstumsphase, in der alle Beteiligten die wesentlichen Punkte wie einfacherer Zugang, Reichweitenwährung, Professionalisierung des Programms und Standards für den Werbemarkt angehen sollten. Dann wird Webradio ein
Erfolg.

Ich finde es bedauerlich, dass gerade die Sender ByteFM, HoerbuchFM und detektor.fm die Diskussion an der falschen Stelle für die Marktwahrnehmung eröffnen. Diese drei Formate sind perfekte Beispiele für genau die neuen Programmformate, wie sie eben nur über die neue Verbreitung Webradio Erfolg haben werden. Der Deutsche Radiopreis für detektor.fm bestätigt diesen Erfolg und hat Webradio insgesamt eine Sichtbarkeit gegeben.

Aber die neue Vielfalt im Webradio, mit ihrer inzwischen fast unübersichtlichen Vielfalt, benötigt Orientierung und Navigation für den Nutzer. Wichtigstes Ziel der Sender sollte sein, ihre Hörer auf allen unterschiedlichen Zugangswegen zu erreichen. Der Nutzer im Internet lässt sich nicht mehr auf eine bestimmte Zugangsart beschränken. Die Rolle von radio.de ist die eines Radiogeräts im Internet bzw. auf dem mobilen Smartphone.

Früher haben sich Hörer ein UKW-Endgerät gekauft, heute stellen wir Ihnen kostenlos eine Software im Browser oder als Mobile-App zur Verfügung. Diese laufende Softwareentwicklung -das UKW-Endgerät wurde einmalig bezahlt und nicht regelmäßig mit Produktverbesserungen versorgt- refinanzieren wir mit der Werbung auf unserer Website oder in der App. Wir
investieren mit großem Aufwand in die Softwareentwicklung der unterschiedlichsten Plattformen, unterstützen mit unseren begrenzten redaktionellen Ressourcen den Aufbau der Bekanntheit neuer Programmformate.

Gerade die drei genannten Sender wurden von uns in den letzten Jahren laufend in die redaktionelle Empfehlung eingebunden.

Rechtlich betrachtet kann man die Diskussion nicht mit der Leistungsschutzrechtsdebatte im Zusammenhang der Verlage und Google vergleichen, dies würde direkt auf falschen Annahmen beruhen. Unser Angebot – wie auch das unsere Mitbewerber Phonostar, Surfmusik, TuneIn – basiert auf dem Angebot einer Linkliste, wir bieten einen direkten Link auf den jeweiligen Streamlink des Radiosenders an. Neben dem der Produktentwicklung, haben wir in den letzten sechs Jahren in das Gattungsmarketing investiert. Dazu zählt unser Engagement mit dem Aufbau des Radiocamps und zuletzt in diesem Jahr mit der Unterstützung zur Gründung der Fachgruppe Audio Digital im BVDW. Unser Engagement zielt gerade dort, auf die Lösung der dringenden Herausforderungen für Webradio-Sender wie Reichweitenwährung oder die Setzung von Marktstandards – zum Nutzen von allen Sendern. Als Startup arbeiten wir stetig an der weiteren Entwicklung und unsere drei (un- bzw. mittelbaren) Gesellschafter investieren ebenso in diese Entwicklung.

Wir haben uns seit der Gründung intensiv mit der Frage “Zusammenarbeit Radiosender” beschäftigt, unser Geschäftsmodell achtet die Rechte der Partner, bei Widerspruch sperren wir den Sender in unserer Datenbank. Aus der rechtlichen Betrachtung handelt es sich bei uns eindeutig um keine urheberechtliche Nutzung, wir haben aber frühzeitig im Sinne der Partnerschaft das Gespräch mit der VG Media gesucht und daraus ist u.a. der Vertrag “Tarif Audio-Live-Streaming” entstanden. Auf Seiten der Programmanbieter lassen sich in den letzten Jahren auch immer mehr Webradio-Betreiber von der VG Media vertreten u.a. Rautemusik. Sollte unsere Kommunikation hierzu einmal im Einzelfall nicht eindeutig gewesen sein, so bedauere ich dies.

In dem Statement haben wir zwar nicht erfahren, ob radio.de tatsächlich nicht auf die Anfragen der drei Anbieter reagiert hat oder ob anderen Sendern etwas bezahlt wird, aber es wird das Spannungsfeld dieser Diskussion deutlich. Die Reaktionen werden wir an dieser Stelle zusammenfassen.

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Deutsche Radiopreis 2012: Er ist angekommen!

Am Donnerstag (06.09.2012) ist zum dritten Mal der Deutsche Radiopreis vergeben würden. Erneut führte Barbara Schöneberger durch den Abend, der von Robbie Williams, Udo Lindenberg, den Pet Shop Boys oder Richard von Weizsäcker unterstützt wurde. Der Preis ist erneut von der ARD, den Privatradios und vom Deutschlandfunk gestiftet worden. Eine Jury des Grimme-Instituts haben Sieger in zehn Kategorien bestimmt, dazu gab es zwei Sonderpreise des Beirats. Mehr als 60 private oder öffentlich-rechtliche Radiostationen haben den Deutschen Radiopreis übertragen. Im Fernsehen gab es auch eine Aufzeichnung. Die Gala ist auch noch im Web als Videostream abrufbar.

Was mit Medien Fazit: Der Deutsche Radiopreis ist mittlerweile angekommen. Die Kanten der ersten beiden Auflagen sind ausgemerzt worden und selbst ein so anspruchsvolles Publikum bekam einen kurzweiligen Abend präsentiert. Jetzt darf der Deutsche Radiopreis aber nicht perfekt werden, damit die guten Momente bleiben. Wie zum Beispiel die, in denen Barbara Schöneberger etwas Zeit überbrücken musste. Während bei anderen Preisverleihung die über perfekte Inszenierung im Mittelpunkt steht, ist der Radiopreis authentisch und Spontaneität ist gefragt. Beides macht gutes Radio aus und somit fördert der Radiopreis das Medium, selbst wenn zwei Mankos weiter bleiben: Die unzähligen Sender bringen so viele Interessen mit die befriedigt werden wollen und die regionale und lokale Zersplitterung führt dazu, dass weiter die Preisträger etwas in den Hintergrund geraten. Es braucht Köpfe wie (in diesem Jahr) Robbie Williams oder Udo Lindenberg, um die gebührende Aufmerksamkeit auf den Abend zu lenken.

Ein tolles Signal ist auch die Auszeichnung von Detektor.fm für den Einsatz einer Crowdsourcing-App. Nicht nur analoge private oder öffentlich-rechtliche Sender haben somit eine Chance auf den Deutschen Radiopreis. Innovation findet auch bei diesem Medium im Netz statt. Hier sind noch die Interviews vom Abend:

Christian Bollert und Marcus Engert von Detektor.FM: Hört auf Angst vor dem Internet zu haben!

[audio:/audio/2012/09-radiopreis/20120907-drp-detektorfm-web.mp3]

Sebastian Pertsch von der Radioszene: Der Preis hat sich weiterentwickelt

[audio:/audio/2012/09-radiopreis/20120907-drp-sebastianpertsch-web.mp3]

Johannes B. Kerner: Bin dem Radio sehr dankbar

[audio:/audio/2012/09-radiopreis/20120907-drp-johannesbkerner-web.mp3]

Frank Elstner: Ich wünsche mir mehr Vielfalt innerhalb der Musik

[audio:/audio/2012/09-radiopreis/20120907-drp-frankelsner-web.mp3]

Peter Urban: Das Spektakel war relativ kurzweilig

[audio:/audio/2012/09-radiopreis/20120907-drp-peterurban-web.mp3]

Hörtipp: Am Samstag (08. September 2012) ist ab 18 Uhr im Radio Eins Medienmagazin bei Jörg Wagner mein Bericht vom Radiopreis zu hören.

Foto: Christian Bollert und Marcus Engert von Detektor.fm.

Liste der Preisträger

(mit Links auf die Portraits auf der offiziellen Radiopreisseite)

Beste Innovation: detektor.fm:Ausgezeichnet worden sind Christian Bollert und Marcus Engert von detektor.fm. Sie bieten den Hörern Social Radio und eine Programmgestaltung durch nutzergenerierte Inhalte. mehr
Beste Morgensendung: Ponik & Petersen: Ausgezeichnet wurde “Ponik & Petersen – Der NDR 2 Morgen” für das Rundum-Sorglos-Paket aus intelligenten Aktionen und Reaktionen – und einer bereits ausgezeichneten Comedy. mehr
Bestes Nachrichtenformat: Radio RPR1: Gemeinsam ausgezeichnet worden sind: Jens Baumgart und Patrik Buchmüller. Die beiden moderieren “Der Tag in Rheinland-Pfalz” mit Professionalität und großem Engagement. mehr
Beste Sendung: Deutschlandradio Kultur: Ausgezeichnet worden sind Dr. Monika Künzel und Tom Noga. Der Name der “Besten Sendung” lautet: “The crazy never die – Die Lange Nacht des Hunter S. Thompson”. mehr
Beste Comedy: radio ffn, Jan Zerbst: In der Kategorie “Beste Comedy” ging der Preis an Jan Zerbst von radio ffn. Überzeugen konnte er die Jurymitglieder mit seiner Sendung “Die Welt in 30 Sekunden”. mehr
Bestes Interview: WDR2: Die Auszeichnung ging an Gisela Steinhauer und Gabriele Hufnagel-Mertens und die Sendung “WDR2-Sonntagsfragen”. mehr
Beste Programmaktion: “Beethoven für Alle”: In der Kategorie heißen die Sieger Bettina Zacher und Stephan Heller von Klassik Radio für die Aktion “Beethoven für Alle”. Hier treffen das 19. und 21. Jahrhundert aufeinander. mehr
Beste Reportage: SWR2, Martin Durm: Ausgezeichnet hat die Jury die Reportage aus der Reihe SWR2 Wissen: “Muamar al Gaddafi: Aufstieg und Fall eines Despoten”. Martin Durm heißt der Autor. mehr
Sonderpreis des Beirats “Lebenswerk Moderation”: Arno Müller: Preisträger der Kategorie ist Arno Müller von 104.6 RTL. Vor über 30 Jahren hat er seine Karriere beim Hessischen Rundfunk gestartet, jetzt ist er beim privaten Rundfunk. mehr
Beste Moderatorin: Sina Peschke: Ausgezeichnet worden ist Sina Peschke von LandesWelle Thüringen. “Der LandesWelle FrühstücksClub” bietet gute Unterhaltung und setzt immer wieder bewegende Themen. mehr
Bester Moderator: Werner Reinke: Der Preisträger heißt Werner Reinke. Er moderiert bei hr1 und hat die Jury mit seiner Sendung “Reinke am Samstag” überzeugt, in der er mit Musikbegeisterung und Fachwissen glänzt. mehr
Sonderpreis des Beirats “Lebenswerk Musik”: Udo Lindenberg: Für die Jury ist der “Udonaut” eindeutig eine lebende Legende. Er hat Generationen von Musikfans und Radiohörern berührt – nur ein Grund für den Preis.
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Facebook & Radiosender: Starker Wachstum auch 2012!

Im ersten Quartal 2012 haben die Radiosender-Seiten bei Facebook die Zahl der Fans um ein Drittel steigern können. Das geht aus den neuen Facebook-Charts für die UKW-Radiosender hervor, die ihr jetzt auch im privaten Blog von Daniel nachlesen können. Zum Monatswechsel haben die Sender insgesamt 486,635 Fans gehabt. Im Dezember waren es noch 372,426 Fans.

Zwar konnte 1LIVE die Zahl der Fans deutlich steigern, insgesamt legten aber alle Sender auf hohem Niveau zu. Der WDR führt mit seinen Sendern bei den absoluten Werten, wie der Vergleich der Sender-Netzwerke zeigt.

  1. WDR-Wellen 204,354
  2. NRW-Lokalradios 193,606
  3. Deutschlandradio-Sender 74,092
  4. Campusradios  11.653

Die Lokalradios führen jedoch bei der Bindung pro Hörer. Während mittlerweile im Schnitt alle Sender 17% Prozent der Hörer pro Sendestudio als Facebookfan haben, ist es zum Beispiel bei Radio Wuppertal inzwischen jeder zweite Hörer (48%).

Hier geht es zu den ausführlichen Facebook-Charts.

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5 Herausforderungen für die Radioszene!

Es gibt schlechtere Orte um über das eigene Medium nachzudenken: In Barcelona haben an zwei Tagen rund 800 Radiomacher an den Radio Days Europe 2012 teilgenommen. 5 Themen haben die meisten Diskussionsrunden umwabert — mit Bewunderung, Skepsis und manchmal unangebrachter Hysterie widmeten sich die Radiomacher diesen Trends. Es folgt ein Check dieser Herausforderungen der Radiobranche.

Von Daniel Fiene

1.) Spotify, Spotify und noch einmal Spotify.
Wenn sich Menschen vom Radio für cool halten, bauen sie das kleine grüne Spotify-Logo in ihre Präsentation ein – obwohl der Musikstreamdienst gar kein Radiodienst ist. Wenn Menschen vom Radio den Untergang der ganzen Branche ausrufen wollen, bauen auch sie das kleine grüne Spotify-Logo in ihre Präsentation ein – obwohl der Musikstreamdienst kaum als David gegen die Goliath-Radioszene antreten wird. Spotify steht als Symbol einer Gattung die fasziniert. Dabei sind diese Dienste alles andere als neu. Simfy gibt es in Deutschland schon längst. Auch Napster bietet eine Musikflatrate an. Spotify ist aber keine Gefahr für das Radio — höchstens für Musikshops wie dem iTunes Store für Apple. Kluge Radiomacher schauen —wie die vom schwedischen Radio—, wie sie ihre Inhalte bei Spotify unterbringen können, um die eigene Reichweite zu steigern und die Hörer auf ihre Streams zurückführen.

2.) Visual-Radio.
Damit ist nicht Fernsehen gemeint. Es sind die kleinen Radiogeräte mit einem Display, auf dem Zusatzinformationen zur Musik, den Themen oder der Werbung angezeigt werden. Ich habe den Eindruck: Visual-Radio ist ein Wunschtraum der Vermarkter und Werbetreibenden. Aber erst muss die Geräteindustrie mitspielen: Wer kauft sich ein Visual-Radio, das deutlich über 100 Euro kostet? Geräte unter 100 Euro soll es demnächst geben. Ob das den Durschnittshörer aber reicht? Wahrscheinlicher ist es, dass dieses Eye-Candy als nettes Feature in Apps oder neuen Autoradios durchsetzt.

3.) Pinterest, Instagram und deren Genossen.
Kaum  haben Radioteams Facebook & Twitter mühevoll gelernt, kommen schon die nächsten sozialen Netzwerke um die Ecke und schreien laut nach Aufmerksamkeit. Natürlich sollten Sender nicht jeden Quatsch mitmachen, aber es gibt heiße Kandidaten, mit denen es sich zu beschäftigen lohnt. Zwischen Hype und Nutzerbasis gibt es einen Unterschied. Auf der letzteren Seite stehen die Dienste Instagram und Pinterest. Sie ermöglichen jeweils eine Rückführung auf die eigene Senderseite und somit auch auf den Radiostream. Ein Sender kann über einen Bilderkanal bei Instagram nicht nur einen Blick in das Studio ermöglichen, sondern auch Begleitmaterial zu größeren Aktionen bieten, die gerade im Radio laufen. Wie man das Pinnboard-Netzwerk Pinterest nutzen kann, zeigt The Breakfast Show von Absolute Radio in Großbritannien.

4.) Das Autoradio der Zukunft.
Je mehr Internet in den Autos der neuen und nächsten Generation eingebaut wird, desto mehr Konkurrenz gibt es für die Ohren (hat hier gerade jemand Spotify gesagt?). Zwei Faktoren können Radiomacher aber entspannen lassen: Aktuelle Forschungen zeigen, dass Hörer weiterhin lieber ihren Heimatsender einschalten. Nicht nur im Sendegebiet, sondern soweit die Straßen führen. Zum anderen gibt es Ansätze, wie Radio sich selbst weiterdenkt. Der NDR, Hitradio Antenne und Volkswagen forschen an einem interaktiven Hybrid-Autoradio. Läuft in den Nachrichten ein Thema, das mich interessiert, kann ich per Knopfdruck einen vertiefenden, Podcast- oder Archiv-Beitrag abrufen. Anschließend wird wieder zurück in das lineare Programm geschaltet. Was für ein Spaß!

5.) Personalisierbares Radio.
Wo mit wir schon beim  Radio sind, das personalisierbar ist. Hier gibt es einfach noch keine vernünftige Lösung. Das Prinzip des Hybrid-Autoradios könnte auch außerhalb der Karosse funktionieren. Einen interessanten Ansatz haben auch Schweizer auf den Radio Days mit ihrem sich noch im Test befindenden Dienst DIY.fm gezeigt (persönliche Mischung von Webstreams, Podcasts etc.). Aber wo sind hier in Deutschland die Wortinhalte bei Spotify, Rdio & Co.? Hier müssen die Sender noch ihre Hausaufgaben machen.

Linktipp: Daniels Kongressnotizen gibt es übrigens auch in seinem privaten Blog.

Hat Radio überhaupt eine Zukunft?

Daniel und Michael Praetorius haben sich nach den Radio Days Europe getroffen und einen Blick zurück geworfen. Tipp: Lest auch seinen persönlichen Blogeintrag.

Die Radio Days Europe 2013 finden im März in Berlin statt.

 

 

detektorfm

Folge 265

Das Radio von morgen: Wie es klingt und wie man’s hört

Anlässlich des zweiten Geburtstages von detektor.fm haben Robert Skuppin (Programmchef radioeins), Boris Lochthofen (Regiocast), Mercedes Bunz (Bloggerin) und Stefan Fischer (Medienredakteur Süddeutsche Zeitung) über die Zukunft des Radios diskutiert.

In dieser Woche könnt ihr bei uns die Diskussion nachhören. Sie ist von Christian Bollert (detektor.fm) moderiert worden.

Vielen Dank an detektor.fm, dass ihr uns den Mitschnitt zur Verfügung gestellt habt!

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Habt ihr schon die Was mit Medien Zeitung bestellt?

Foto: Vier Gäste aus der Medienwelt diskutieren über die Zukunft des Radios (v.l.n.r): Stefan Fischer, Mercedes Bunz, Moderator Christian Bollert, Robert Skuppin und Boris Lochthofen. Foto: Detektor.fm.

 

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2011: Radiosender in NRW mit 319% mehr Facebook-Fans!

Die Radiosender in NRW haben die Zahl ihrer Facebook-Fans in den letzten zwölf Monaten um 319% steigern können. Aktuell haben sie insgesamt 372 426 Fans, die auf den Senderseiten auf “Gefällt mir” geklickt haben.  Im Dezember 2010 waren es noch 116 424 Fans, ein Plus von 319%. Das ergeben die aktuellen Facebook-Charts der Radiosender in NRW, die ich alle zwei Monate in meinem Blog auswerte.

Für Radiosender war 2011 ein Facebook-Jahr!  Zu diesem Ergebnis haben private, öffentlich-rechtliche und auch Campusradios gleichermaßen beigetragen. Auf Platz 1 ist 1Live mit 140 962 Fans. Bestes Lokalradio ist Antenne Düsseldorf mit 12 094 Fans und bestes Campusradio bleibt Kölncampus mit 2 214 Fans.

Lokalradios am Erfolgreichsten

Im Schnitt haben alle Sender 13 Prozent ihrer Hörer in der durchschnittlichen Stunde als Facebook-Freunde gewinnen können. Vor vier Monaten waren es noch 10 Prozent. Die Zahlen zeigen, dass die Lokalradios Facebook im festen Griff haben. Radio Wuppertal hat 39,80 Prozent seiner Stundenhörer rein rechnerisch als Facebook-Fan gewinnen können, Antenne Niederrhein und Antenne Düsseldorf rund 27 Prozent. Im Top 10 dieser Rechnung sind ausschließlich Lokalradios zu finden.

Seit 2010 gibt es alle zwei Monate eine neue Auswertung. Mittlerweile wird deutlich, dass die Pionierzeit vorbei ist: Während vor einem Jahr der WDR nur mit einer Welle im Top 10 vertreten war, sind dort die Campusradios inzwischen verschwunden, während die beiden Hauptprogramme des Deutschlandradios sich inzwischen auf den vordersten Plätzen etabliert haben. Durch die Zunahme der Fanzahlen wird Facebook zu einer immer wichtigeren Besucherquelle für die Homepages und Streamseiten. Während im Sommer ca. 6 Prozent der Besucher der Antenne Düsseldorf Homepage über Facebook kamen, sind es inzwischen ca. 9 Prozent.

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Alte Schlachten, Radio-Zukunft und Rosamunde Pilcher: Medienforum NRW, Tag 2.


VON PHILIPP SPRECKELS

2. Tag, neues Glück und wieder ein Skandal. Neben dem Projekt ZeitungsZeit, in dem Schüler das konsumieren “wertvoller Medien”, also Printzeitungen, an-trainiert wird, schlug vor allem die erneute Klage der Privaten Medienhäuser (SZ, FAZ, Axel-Spinger usw.) gegen die Online-Aktivitäten der Öffentlich-rechtlichen hohe Wellen. In den Augen von Christian Nienhaus (WAZ) könne man die Wilderei der ARD auf dem Onlinemarkt, wie bei der Tagesschau-App, “auch illegal nennen.” Der Kampf ist eröffnet.

Beschwörungen des Haptischen

Die mit Spannung erwarteten Rede der ehemaligen Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche, Margot Käßmann, bestach zwar durch interessante geschichtliche Vergleiche (Luther als Herausforderer des katholischen Meinungsmonopols / Bibel als Vorläufer der Zeitung) glitt gen Ende jedoch zunehmend in Beschwörungen der haptischen Qualitäten der Zeitung ab. Zeitweise bekam man den Eindruck, dass Frau Prof. Käßmann der Verlust der gatekeeper-Funktion der Verlage gar nicht bewusst sei.

Von der Musikindustrie lernen

Nach diesen Print-Streicheleinheiten wurde die versammelte Verlegerschaft durch den Ex-Universal-Vorstandsvorsitzenden Tim Renner jedoch abrupt aus dem Konzept gebracht. Die schmerzhaften Erfahrungen der Musikindustrie (Napster & Co.) noch frisch in Erinnerung, konfrontierte Renner das Publikum mit dem drohenden Kontrollverlust. So ermahnte er sie, sich nicht an alte Geschäftsmodelle zu klammern, sondern sich auf die neuen, partizipativen, Spielregeln des Netzes einzulassen. Die Lehre aus dem Ende von Kino.to, so Brenner, wäre nicht eine intensivierte Verfolgung von illegalen Streams sondern ein Ende der, für Konsumenten unverständlichen , vierstufigen Verwertungskette von Filmen. Ganz im Sinne dieser Konsumentenlogik sei z.B. die Musikplattform Spotify.

Keine Almosen vom Staat

In der anschließenden Diskussion überraschte der Grabenkampf zwischen Öffentlich-Rechtlichen (Markus Schächter, ZDF: “Wir können doch zusammenarbeiten!”) und Privaten (Peter Pauls, Kölner-Stadtanzeiger: “Wir brauchen keinen Öffentlich-rechtlichen Moloch!”) niemanden mehr. Interessant war allerdings die frische Perspektive des Schweizer Publizisten Urs Gossweiler (Jungrau Zeitung), der sich vehement gegen staatliche Gelder in privater Hand und somit für die Unabhängigkeit der Presse einsetze. Zudem merkte der Schweizer Gast an, dass das deutsche Wort ‘Zeitung’ im Gegensatz zum englischen (newspaper) einen entscheidenden Vorteil hätte: Das Transportmedium (Papier) sei darin nicht erwähnt. Die Zeitungsproduzenten sollten also aufhören sich als “Drucker” zu begreifen, so Gossweiler.

Radio braucht Sexappeal

Den Rest des Tages bestimmten Twitter und das Radio. Das Medium Radio erwies sich als durchaus lebendig und so war der Workshop “Radio und Social Media” mit unserem Daniel Fiene und Frank Böhnke (VLR) gut besucht. Während es im Workshop um den direkten Umgang mit Social Media ging, versuchte die ehemalige MTV-Managerin Mona Rübsamen (Motor FM) in “Zukunft des Radios” der versammelten Branche Mut zuzusprechen. In ihrer Keynote verglich sie das Verhältnis von Sendern und Hörern mit einer Liebesbeziehung. Laut Rübsamen täten die Sender gut daran, das Verhältnis zu ihren Hörern durch Leidenschaft, Aufmerksamkeit, ja “mehr Sexappeal” zu pflegen.

Junge Talente brennen für das Medium

In der anschließenden Diskussion waren sich die Vertreter der Radio-Branche zwar der guten Situation ihres Mediums, im Vergleich zur Zeitung, zwar durchaus bewusst. Nichtsdestotrotz wurde auch diese Diskussion von alten Schlachten der Privaten mit den Öffentlich-rechtlichen überschattet. Trotzdem gab sich Frank Haberstroh (Radio WAF) am Schluss durchaus optimistisch. Vor den Herausforderungen des Internets bräuchte man keine Angst haben, schließlich “hätte man junge Talente im Radio, die für das Medium brennen!”

Rosamunde Pilcher muss weg

In Sachen Twitter stach neben dem NRW-Twittwoch vor allem der Vortrag der Jungs von @ZDFonline hervor. Nach der unglaublichen Geschichte, wie es zum heutigen ZDF-Twitterkanal kam und nützlichen Hinweisen zum Überstehen eines Shitstorms (1. Nicht um sich schlagen 2. Immer höflich sein 3. Abwarten 4. Keine Zensur 5. Reagieren, wenn es brennt) drehte sich die Diskussion vor allem um das angestaute Image des ZDF. Nach seinen ganz subjektiven Wunschvorstellungen gefragt antwortete einer der beiden, dass er sich einen Imagewechsel – hin zu einer jüngeren Altersstruktur – beim ZDF durchaus vorstellen könnte. Dafür müsste man allerdings an “ein, zwei Stellen Sendungen wie Rosamunde Pilcher aus dem Programm nehmen” und stattdessen partizipative Formate wie ZDF log in, statt auf Spartensendern, zur Primetime im Hauptprogramm eine Chance geben.

… to be continued

Tipp: Uns gibt es auch als RSS-Feed in verschiedenen Geschmacksrichtungen. Hier gibt es unsere Texte aus dem Blog und hier gibt es unseren wöchentlichen Podcast.

Foto: © Ralph Sondermann / Medienforum NRW

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