Frontline – die Blogger-Pressekonferenz

 

Über die Macht der Bilder haben Blogger mit den Eröffnungsgästen der Frontline-Ausstellung im NRW-Forum am Freitag in einer Live-Online-Übertragung diskutiert. Zusammen mit dem Medienmagazin “Was mit Medien” hat das NRW-Forum eine innovative Blogger-Pressekonferenz veranstaltet. Dabei haben zahlreiche namenhafte Blogger die Möglichkeit genutzt, sich per Webcam über einen Google-Hangout an der Konferenz zu beteiligen – so schauten auch Stefan Keuchel, Sprecher von Google Deutschland, oder Sascha Lobo (Deutschlands Vorzeige-Blogger und Autor “Wir nennen es Arbeit”) vorbei.  Viele Zuschauer verfolgten die virtuelle interaktive Talkshow über einen Live-Videostream und mehr als 10.000 Abrufe werden für den Audio-Podcast erwartet; denn so viele Hörer hat “Was mit Medien” in der durchschnittlichen Ausgabe, die in dieser Woche von Daniel Fiene (Antenne Düsseldorf) und Dennis Horn (You FM) moderiert wurde.

Die direkte MP3 gibt es auf der Podcast-Seite – So abonniert ihr den “Was mit Medien”-Podcast.

In der neuen Frontline-Ausstellung im NRW-Forum gibt es nicht nur Bilder der Gründer der legendären Fotoagentur Magnum zu sehen, sondern auch die der jüngsten Magnum-Generation vom arabischen Frühling. Dazu gehören auch die Fotos von Fotograf Dominic Nahr: “Für mich ist es der Reiz in der ersten Reihe dabei zu sein, wenn Weltgeschichte entsteht”, erklärte er den Bloggern seine Motivation für den Job, der in vielen Situation mehr als gefährlich ist. Er und seine Kollegen mussten in Kairo stets von Bodyguards begleitet werden, um einen einigermaßen Schutz zu erhalten. Schnell drehte sich das Gespräch mit den Teilnehmern der Blogger-Pressekonfernz auch um die Rolle der sozialen Netzwerke – mit deren Hilfe Menschen selbst Fotos mit ihren Smartphones veröffentlichen. Für Nahr bedeutet das Web 2.0 keine Konkurrenz, sondern eine Hilfe. “So bekommen wir viel schneller mit, wo etwas passiert”, so der 28jährige.

Doch wie verändert sich Fotografie? Bundeswehrexperte und Journalist Thomas Wiegold (augengeradeaus.net) widersprach über den Hangout der These, dass die Fotos früher das Leid zeigten und heute nur die siegreichen Rebellen zu sehen sind. “Es gibt heute auch die Bilder von Leid, aber die werden von den Medien weniger aufgegriffen”, so Wiegold. Diskussionsteilnehmer Sascha Stoltenow schloss sich an und fragte, um welche Macht es eigentlich geht, wenn über die Macht der Kriegsbilder diskutiert wird. NRW-Forums-Direktor Werner Lippert erklärte daraufhin, dass sich diese Frage für jedes Bild aufs Neue stellt und es die Aufgabe der veröffentlichenden Medien ist, Bilder in den richtigen Kontext einzuordnen: “Das galt schon für jedes Bild im zweiten Weltkrieg, später dann für die Berichterstattung der Embeded Journalists und heute auch für die Bilder in sozialen Netzwerken.”

Blogger & Journalist Richard Gutjahr (gutjahr.biz/) berichtete von seiner Reise nach Kairo. Ihn wunderte, dass aber auch die Menschen vor Ort es ausnutzen, wenn Kamerateams auftauchen. “Sofort wird die Lage dramatischer”, so Gutjahr über seine Erlebnisse vom Tharir-Platz. “Würde man die Kamera ein wenig schwenken, sähe man die Familien picknicken.” Fotowirkungsforscher Professor Peter Geimer (Freie Universität Berlin) erkennt diese Schilderung das Problem und stuft hier Social Media als eine Chance ein, um der Realität ein Stückchen näher zu kommen. “Mehr Bilder liefern ein umfassenderes Bild”, erklärte Geimer. “Es gibt mehr Bilder die eine unterschiedlichste Situation des gleichen Geschehens zeigen. Das setzt die Überlegung in den Gang, welches Bild wir glaubwürdiger finden, als ein anderes.”

Im Laufe der Diskussion wurde noch gefragt, wie sich die Gesellschaft verändert, wenn es  ohne Verzögerung Zugriff auf Bilder von Konfliktenherden gibt. Gabriel Gonzalez Zorilla von der Deutschen Welle, zuständig für den internationalen Blogaward The Bobs, kann nachvollziehen, dass sich ein gewisses Ohnmachtsgefühl einstellt, wenn man einschneidende Ereignisse über das Netz verfolgt. “Aber wir haben nicht nur die Chance informierter zu sein, sondern ich glaube, dass es mehr Leute veranlasst auch tatsächlich etwas zu tun.” Der Schüler Jonathan Noack berichtete zudem über den Hangout, dass er es eine sehr wertvolle Erfahrung fand, dass sie im Unterricht über Twitter Bilder aus Ägypten schauen konnte, die nur wenige Sekunden alt waren.

50 Minuten dauerte die Diskussion am Freitagabend, die dann in die Eröffnung der Frontline-Ausstellung überging. Frontline ist bis zum 08. Januar 2012 im NRW-Forum in Düsseldorf zu sehen.

Dominic Nahr: Kairo. 12. Februar 2011.

Frontline – die Blogger-Pressekonferenz zur Kriegsbilder-Ausstellung im NRW-Forum!
So sah unsere Ankündigung aus:

Über die Macht von Kriegsbildern in den Medien und in sozialen Netzwerken möchten wir mit euch am Freitag,  23. September um 17 Uhr für eine Stunde diskutieren. Denn: Was mit Medien und das NRW-Forum laden zu einer Blogger-Pressekonferenz zur Frontline-Ausstellungseröffnung ein!

Das “Was mit Medien”-Team begrüßt euch auf dieser Seite (wasmitmedien.de/frontline) mit einem Video-Livestream und diskutiert in einer Stunde mit Gästen über die mediale Wirkung von Kriegsbildern. Ihr könnt dabei sein und sogar an der Blogger-Pressekonferenz teilnehmen, indem ihr euch vor eure Webcam setzt und am Google+ Hangout teilnehmt.

Die Übersicht

Wann? Freitag, 23. September 2011, 17 Uhr.
Wer ist eingeladen? Blogger, Journalisten, Neugierige und Interessierte.

Zuschauen? Den Video-Livestream gibt es auf dieser Seite oder unter nrw-forum.de.
Mitdiskutieren oder Fragen stellen? Neben dem Livestream starten wir einen Google+ Hangout, bei dem ihr euch via Webcam in die Diskussion einblenden könnt; entweder einfach spontan einklinken, oder vorher anmelden. Ihr könnt euch auch per Chat, Twitter und Facebook beteiligen. Wir empfehlen den Hashtag #frontline.
Wer wird beim Hangout mit dabei sein? Richard Gutjahr (gutjahr.biz), Thomas Wiegold (augengeradeaus.net), Inge Seibel-Müller (hoerfunker.de) und Florian Krakau (dailycoffeebreak.de) – die restlichen Plätze könnt ihr gerne in Beschlag nehmen!

Wer kommt? Zur Diskussion werden erwartet Dominic Nahr (Fotograf, Agentur Magnum), Professor Peter Geimer (Fotowirkungsforscher und Kunst-Historiker) sowie Gabriel Gonzalez Zorilla (Deutsche Welle)
Keine Zeit? Die Blogger-Pressekonferenz zeichnen wir als “Was mit Medien”-Episode auf und stellen sie anschließend als Audio-Podcast zur Verfügung.

Hinweise zum Hangout

  • Jeder der möchte, ist zum Hangout eingeladen! Einen Link gibt es zur Sendezeit auf dem Google+-Profil von Daniel.
  • Bitte nutzt einen Kopfhörer, damit es keine Loops beim Sound gibt.
  • Wenn ihr den Hangout betretet, bitte schließt alle anderen Streams (wirklich alle!), damit wir euch in best möglicher Qualität sehen können.
  • Wer eine Einladung zum Hangout bekommen möchte, kann uns vorher seinen Namen bzw. das G+-Profil verraten und wir schicken dann zum Start des Hangouts eine Einladung.

Frontline – die Macht der Bilder (24. September – 08. Januar)

Das NRW-Forum spannt in “Frontline” den Bogen von den inzwischen historischen und oft zu Ikonen der Fotografie geadelten Kriegsbildern der Magnum-Gründer Robert Capa, George Rodger, Henri Cartier-Bresson und David Seymour hin zu fünf jungen Magnum Fotografen: Thomas Dworzak, Dominic Nahr, Moises Saman, Peter van Agtmael und Alex Majoli. Sie fotografieren in den Krisenherden von Heute, liefern die brandaktuellen Bilder aus den Ländern Arabiens von den Aufständen gegen die dort herrschenden supressiven Regime, sind heute wieder unterwegs an die neuen Fronten.

Moises Saman: Tripolis. 31. März 2011.

Zu den Fotos:

(Oben) Dominic Nahr: Kairo. 12. Februar 2011.
Nach der Ankündigung des Rücktritts von Präsident Husni Mubarak zünden Mubarak-feindliche Demonstranten auf dem Tahrir-Platz Spraydosen an. © Dominic Nahr/Magnum Photos

(Unten) Moises Saman: Tripolis. 31. März 2011.
Gaddafi-Anhänger stellen sich freiwillig als menschliche Schutzschilde zur Verfügung, Kundgebung zur Unterstützung des libyschen Führers in seinem Anwesen Bab Al-Asisija in Tripolis. © Moises Saman/ /Magnum Photos

Surftipp:

Mehr Infos zur Frontline-Ausstellung gibt es auf der Homepage des NRW-Forums.

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