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Das Audiomagazin mit Text und Bild mit Daniel Fiene und Herrn Pähler.

Medienkritiker Hans Hoff über Stefan Raab

Stefan Raab (Flickr.com Daniel Kruczynski)Ben-Ali ist weg. Mubarak ist weg. Gottschalk geht bald auch. Aber einer, der bleibt: Stefan Raab! Die Frage ist: Wie lange noch. Die Quoten für “Unser Song für Deutschland” waren miserabel. Viele Deutsche sind von Lena gelangweilt – und das, obwohl jetzt alles so schön sein könnte: Der Eurovision Song Contest kommt nach Deutschland. Aber irgendwie sind alle nicht wirklich zufrieden. Der Einzige der zufrieden scheint, ist Stefan Raab. Wir wollen nicht vergessen: In den letzten Jahren hat er der deutschen TV-Unterhaltung zu neuem Erfolg verholfen. Über das Phänomen Stefan Raab haben wir in Sendung 243 mit Medienkritiker Hans Hoff geredet. Hier die Abschrift. Hallo Herr Hoff!

Grüß Gott, die Herren!

Daniel Fiene: Jetzt wo Thomas Gottschalk “Wetten, dass..?” abgibt, ist Raab endgültig Diktator des deutschen Unterhaltungs-Fernsehen geworden?

Hans Hoff: Er ist zurzeit eher der Diktator der ARD-Unterhaltung geworden. Die führt er am Nasenring durch die Manege und zeigt ihr, wie Unterhaltung nach seiner Meinung geht.

Raab führt ARD am Nasenring durch die Manege

Herr Pähler: Als Sie Ihn kürzlich für die SZ interviewt haben, schien er sich ja sehr in Rage geredet zu haben, nachdem Sie ihn fragten “Herr Muba-Raab, wann treten Sie zurück”. Was war denn da los?

Hans Hoff: Ich habe das, was Sie eben geschildert haben, in ein paar Fragen zusammengefasst. Nämlich dieses allgemeine Unwohlsein mit Raab, was ja letztendlich nur ein Medien-Unwohlsein ist. Offensichtlich war er darauf vorbereitet, weil er weiß, dass er von mir in der Regel kecke Fragen bekommt. Er ist dann aber bei der siebten Frage regelrecht ausgetickt und ziemlich laut geworden. Da war er wie Uli Hoeneß drauf.
Daniel Fiene: Aber gilt nicht “wer schreit hat Unrecht”?

Hans Hoff: Er hat nicht geschrien, ist aber laut geworden und hat seine Position klar gemacht. Und die ist nicht abwegig. Raab ist ja Medien-Profi. Ich glaube schon, dass er bewusst dieses Interview benutzt hat, um seine Meinung öffentlichkeitswirksam zu äußern.
Raab macht nur das, was er für richtig hält

Daniel Fiene: Wie funktioniert denn das Prinzip Stefan Raab? Da gehört ja neben einer guten Idee auch immer eine bestimmte Inszenierung dazu …

Hans Hoff: … da gehört eine gewisse Inszenierung dazu, aber das Prinzip kann man auf einen Satz runterbrechen, den er sagt: “Ich mache nur, was ich richtig finde.” Raab verstellt sich nicht. Raab macht immer das, wo er erkannt hat, dass ist in seinen Augen richtig. Das zieht er dann gnadenlos und in ganzer Härte durch. Dazu gehört auch, dass er eine Sendung wie “Unser Song für Deutschland” einfach mal quotentechnisch baden gehen lässt, um seinen Künstler, was Lena ja ist, nach vorne zu bringen.
Herr Pähler: Also nehmen Sie ihm ab, wenn er sagt “ich mache nur das, was ich für richtig halte”?

Hans Hoff: Das nehme ich ihm durchaus ab. Ich könnte ihm keinen Gegenbeweis anführen. Er hat bisher Sachen gemacht, die nicht nur die deutsche, sondern auch die europäische Fernsehlandschaft bereichert hat. Schlag den Raab läuft als Beat the Star überall. Er wagt sich auch etwas, ist wirklich ein Draufgänger der immer wieder die Herausforderung sucht. Für ihn ist nur Feigheit böse.

Die ARD ist blind in Sachen Unterhaltung

Daniel Fiene: Liegt dann das Problem bei der ARD? Die hätten doch damit rechnen können, dass Raab “Unser Song für Deutschland” als Mittel zum Zweck sieht, um dann in letzter Instanz das, was ihm wirklich am Herzen liegt, nämlich seine Künstler, nach vorne zu pushen?

Hans Hoff: Sie haben da einen Satz gebraucht, der da heißt “Die ARD hätte sehen können”. Wir sprechen von der ARD! Die ARD ist blind in Sachen Unterhaltung. Die ARD fand, dass Herr Pilawa ein großartiger Moderator war. Die ARD hat gerade Kai Pflaume eingekauft. Die ARD setzt ganz auf Florian Silbereisen. Da müssen wir von Unterhaltungskompetenz überhaupt nicht mehr reden. Sie hat sich in Sachen Eurovision Song Contest Raab komplett ausgeliefert. Natürlich macht er mit denen, was er für richtig hält. Die ARD hätte aber auch keine Wahl. Würde die ARD sagen “Nee, Raab. So wie du dir das vorstellst, wollen wir das nicht”, dann hätte Raab gesagt “gut, dann nicht” und dann hätte die ARD sich wieder selbst was einfallen lassen müssen. Wie das aussieht haben wir 2009 gesehen. Da gab es Alex Swings Oscar Sings …
Raab ergeht es so wie zu Guttenberg

Daniel Fiene: … ach ja, mit Dita von These. Nachdem was Sie schildern, dann ist die ARD doch nur konsequent jetzt auf Raab zu setzen. Ich frage mich, ob der Raab-Zenit nicht auch so langsam überschritten ist? Viele freuen sich jetzt auf den Eurovision Song Contest, sind aber von Lena total gelangweilt. Über die Quoten von den drei Song-Vorentscheiden brauchen wir auch nicht quatschen. Sind das nicht die Indizien dafür, dass Deutschland Raab überdrüssig ist?

Hans Hoff: Ich glaube nicht, dass Deutschland Raab überdrüssig ist. Alle und viele sind relative Begriffe. Wir haben es mit einer gewissen medialen Öffentlichkeit zu tun. Raab unterscheidet da ganz klar -das hat er auch im Interview mit uns deutlich gemacht- von der öffentlichen Meinung und der veröffentlichten Meinung. Wir sehen gerade im Falle zu Guttenberg, wie öffentliche und veröffentlichte Meinung auseinander klaffen. Die Bild-Zeitung führt es an, aber es gibt inzwischen ja sogar representative Umfragen, die sagen “Guttenberg macht einen duften Job” und die vereinigten Medien-Werke Deutschlands sagen, Guttenberg muss sofort zurück treten. Ausgenommen die Bild-Zeitung. Da merkt man diese Kluft und in dieser Kluft befindet sich auch Raab.
Daniel Fiene: Warum ist die veröffentlichte Meinung denn so unterschiedlich zur öffentlichen Meinung? Liegt das vielleicht auch daran, dass Raab gewisse Medienspielchen nicht mitspielt, und wie Jauch sehr wenig privates öffentlich bekannt gibt?

Hans Hoff: Das ist von vorneherein bekannt, aber das schmälert bei Jauch nicht den Unterhaltungswert – bei Raab auch nicht. Das hat mit etwas Anderem zu tun: Eine mediale Öffentlichkeit ist unzufrieden, in zwei Jahren das selbe vorgesetzt zu bekommen. Wir brauchen doch -das wissen Sie aus Ihrer Arbeit auch- den neuen Kick. Wenn man uns sagt “jetzt machen wir das Selbe wie im letzten Jahr, es tritt die selbe Künstlerin an”, dann sagen wir alle “Ouf – ja das haben wir doch im letzten Jahr gerade ausgehalten, waren aber zufrieden, weil sie gewonnen hat, und dieses Jahr hätten wir aber gerne einen neuen Kick.” Es gibt aber keinen neuen Kick. Raab guckt aber sehr genau auf die internationalen Chancen. Deswegen hat er ja in der letzten “Unser Song für Deutschland”-Sendung sehr stark dieses “Taken By A Stranger” gepusht. Der Mann wußte sehr genau, wo er da hin wollte und hat da ganz klar die öffentliche Meinung der Telefonabstimmer beeinflusst.
Herr Pähler: Lassen wir die Kritik der veröffentlichten Meinung an Raab aussen vor und reden über Ihre persönliche Einschätzung. Wenn Sie etwas an Herrn Raab kritisieren würden, was würden Sie am Meisten kritisieren?

Hans Hoff: Ich muss Herrn Raab kritisieren … (lacht)
Raab ist die Pest. Die kann man behandeln.

Herr Pähler: … Sie können Herrn Raab kritisieren. Irgendwie hatten wir, glaube ich, gedacht, das würden Sie tun. Jetzt haben ich den Eindruck, dass Sie ja fast auf Raabs Seite sind. Sie sind zumindest sehr verständnisvoll.

Hans Hoff: Raab ist für mich “the last Man standing”, der wirklich etwas macht, an das er glaubt. Das mir nicht alles gefällt, was er macht, und dass er ein grottenschlechter Moderator ist -der hat ja mehr Ähs im Programm als Stoiber- das ist ja außen vor. Damit haben wir uns abgefunden. Ich stelle bei mir im Konsum selber fest, was gucke ich in der Woche? Besonders montags oder dienstags schaue ich TV Total. Man kann kritisieren, dass Schlag den Raab eine endlose Sendung ist, die man eigentlich erst in der letzten Stunde einschalten muss – das kann man auch kritisieren. Die Frage ist aber: Was haben wir für eine Wahl! Wir haben die Wahl zwischen Pest und Cholera. Im Zweifel kann man dieser Tage die Pest gut behandeln und in sofern ist Raab eher die Pest.
Das deutsche TV kann ohne Raab nicht

Herr Pähler: Das heißt aber, ohne diese Pest Stefan Raab kann das deutsche Fernsehen trotzdem nicht?

Hans Hoff: Ohne die Pest Raab, wäre das deutsche Fernsehen um sehr vieles ärmer. Wir wären dann auf diese Pilawas und Pflaumes zurück geworfen. Wir haben ja nicht viel. Gucken Sie sich diesen einzigen fähigen Moderatore an, der als einziger geeignet wäre, “Wetten, dass..?” zu übernehmen, Matthias Opdenhövel. Wo kommt der her? Aus dem Raab-Stall. Raab ist Motor für die deutsche Unterhaltung. Die Frage ist: Wie schnell lernen die Anderen von ihm?
Herr Pähler: Kann man Raab-sein lernen?

Hans Hoff: Ich glaube, Raab-sein kann man nicht lernen. Das hat er selber über Jahre lernen müssen. Wir haben ja gesehen, wie er vom jungen Rüpel-Komiker zu einem 44-jährigen entwickelt hat, der durchaus weiß, dass er Verantwortung trägt. Er hält Anteile an eine Firma. Wenn Raab morgen abtritt, müssen 200 Leute Angst um ihren Job haben. Insofern weiß er schon, was er tut und ist eine gereifte Persönlichkeit. Raab muß bleiben, sonst sieht es ganz, ganz böse aus. Hier entwickelt sich ja sonst nichts.
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