Peter Boudgoust (ARD) bei den Münchener Medienrtagen

ARD plant kostenpflichtige Apps

Die Argumentation ist einfach. Wer früher beim ZDF ein Kochrezept entdeckte, mußte Briefmarken mitschicken, um es per Post geschickt zu bekommen. Wer bei der ARD einen Mitschnitt bestellte, hatte die VHS-Kassette auch zu bezahlen. Zusatzleistungen kosten.

Mit diesem Vergleich fordern Verleger, dass ARD und ZDF ihre Apps kostenpflichtig anbieten. Der Grund: Die Verleger sehen eine Wettbewerbsverzerrung bei der Digitalisierung durch das öffentlich-rechtliche Fernsehen. “Wir suchen eine konstruktive Lösung”, betonte Axel-Springer-Vorstand Mathias Döpfner auf den Münchener Medientagen.

Verleger müssen die Chancen der Digitalisierung auch dem öffentlich-rechtlichen Fernsehen zugestehen, so Döpfner.  Inhaltliche Einschränkungen, wie diese sich aus dem Drei-Stufen-Test ergeben, würden seinem Freiheitsverständnis widersprechen. Auf der anderen Seite müsse es faire Marktchancen für die Verleger geben.

Gefährlicher als Gratis-Zeitung

“Eine Gratis-Zeitung von ARD und ZDF ist für uns weniger bedrohlich, als die Gratis-Apps von ARD und ZDF”, erklärte der Springer-Chef. Zwar sind Zeitungen noch das größere Geschäft, die Zukunft gehöre aber dem digitalen Bereich. “Wenn ARD und ZDF auf diesen Plattform kostenlose Inhalte anbieten, haben wir schlichtweg kein Geschäftsmodell.”

Mathias Döpfners Lösung sieht einfach aus: “Es müßte sichergestellt werden, dass alle neuen Angebote, insbesondere auf Smartphones, Gebühren erheben. Zumindest in der Phase der Entwicklung des Geschäftes soll man die Gebühr direkt beim Nutzer erheben. Ganz konkret: Die Apps müssen kostenpflichtig sein.” Es gehe Döpfner darum, eine Bezahlkultur zu erhalten, als Grundlage für das Geschäftsmodell aller Inhalteanbieter.

Gratis-Apps sind keine Ideologie

Diese Haltung trifft bei den öffentlich-rechtlichen Sendern auf keinen Widerstand. “Was ist die Rolle des Öffentlich-Rechtlichen-Rundfunks auf dem mobilen Markt?” fragte ZDF-Intendant Markus Schächter und forderte eine Diskussion.

Der ARD-Vorsitzende Peter Boudgoust schloss sich der Meinung seines ZDF-Kollegen an: “Wenn wir im Digitalen mit den Verlagen aufeinander stoßen und es Probleme gibt, dann können wir sachlich darüber diskutieren.”  Er ging sogar noch einen Schritt weiter. “Wir werden die sogenannten Gratis-Apps als Ideologie vertreten. Tagesschau.de wird ein unentgeltliches App sein. Wir werden aber auch mit Apps herausgehen, die dann zusätzliche Entgelte erfordern.” Ihm ist es aber wichtig, dass die Entwicklungschancen dem öffentlich-rechtlichen-Rundfunk in der digitalen Welt aber nicht streitig gemacht werden.

Es ist also nur eine Frage der Zeit, bis es auch ARD-Apps gibt, für die Geld zu bezahlen sind.

Aber ob dieser “faire Wettbewerb” dem Zuschauer zu vermitteln ist? Bei dieser Diskussion ist bisher eine wichtige Frage nicht diskutiert worden: Warum der Zuschauer für Inhalte bezahlen muss, für die er bereits im Monat rund 18 Euro bezahlt.

Update: Lesetipp – auch Heiko Hilker hat bei Carta.info einen Artikel zum Thema geschrieben.

Lesetipps:

  1. Folge 229
  2. Folge #115

Comments (8)

  1. Pingback: 23 Thesen zur Zukunft der Medien – von Jochen Wegner — Was mit Medien

  2. Warum sollen Apps, die lediglich bereits vorhandenen, von mir schon bezahlten, Content anders aufbereitet anbieten, Geld kosten. Es handelt sich bei Apps doch lediglich um eine Smartphonegerechte Zugriffsart.

    Bei exklusiven Inhalten wäre ich zumindest diskussionsbereit, aber da ein Smartphone schon GEZ pflichtig ist, darf ich doch auch eine entsprechende Möglichkeit der bequemen Nutzung erwarten.

    Mich überrascht, dass ARD und ZDF sich demgegenüber so offen zeigen, zur Zeit glaube ich nicht, dass man dort neue Geldquellen erschließen muss.

  3. “… Warum der Zuschauer für Inhalte bezahlen muss, für die er bereits im Monat rund 18 Euro bezahlt.”

    Doch diese Frage wird ständig diskutiert. Das ist nämlich das Hauptargument dafür, dass das tagesschau-App als Gratis-Angebot geplant ist, zumal ARD-aktuell-Chef Kai Gniffke jederzeit betont, dass die Herstellung des App durch Einsparungen kompensiert wird.

    Genau deswegen, weil es mit der Rundfunkgebühr quasi bezahlt ist, argumentierte Döpfner, solle man es so halten wie mit den ZDF-Kochrezepten oder DVDs. Zusätzliches Angebot=zusätzlich bezahlen.

  4. Die Frage ist halt: Was ist Zusatznutzen bei Apps von ARD und ZDF? Wie könnte das aussehen?

  5. Will es denn keiner begreifen? 18 € sind doch jetzt schon zuviel und die Gesellschaft ist vor weiteren Steigerungen nicht geschützt. Es ist doch vollkommen egal, was die ÖR anbieten: Ist es unentgeldlich, wird es zur Begründung für die nächste Gebührenerhöhung herangezogen, ist es entgeldlich, führt es eigentümlicherweise nicht zur Reduzierung der Gebühr für alle.
    Aber kostenpflichtige Apps öffnen die Türen zu einem Verfahren, bei dem man kaufen oder es lassen kann und damit zu dem Beweis, das Zwangsgelder wie jetzt überflüssig für die Information und öffentliche Meinungsbildung sind.

  6. ARD-aktuell-Chef Kai Gniffke sagte bei den Medientagen, die tagesschau würde dem Smartphone angepasst werden. Man kann sie ja bereits über die Seite tagesschau.de sehen. Aber halt nicht angepasst.

  7. Pingback: Folge 230 — Was mit Medien

  8. Pingback: Die Tagesschau-App ist da – und nicht nur für Apple-Geräte! | Mind the App!

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