Christian Jakubetz

Christian Jakubetz: Ein neues Buch für neue Journalisten – oder warum Weiß das neue Gelb ist.

Es gibt Klassiker unter den Journalismus-Lehrbüchern, durch die so ziemlich jeder “Was mit Medien”-Student durch muss. Inzwischen sind diese Bücher auch schon in die Jahre gekommen. Das macht den Inhalt zwar nicht falsch, aber auch nicht richtiger. Von Jahr zu Jahr wachsen die Fragezeichen im Kopf der Leser, was die Theorie für den Alltag in den voll digitalisierten Redaktionen bedeutet. Das stört auch Journalist und Dozent Christian Jakubetz. Er artikulierte seinen Unmut in seinem Blog und herausgekommen ist die Idee ein neues Buch für neue Journalisten zu verfassen. Die Idee wird inzwischen sogar in einer Facebook-Gruppe konkretisiert. Wir haben mit Jakubetz über den aktuellen Stand seiner Idee in Was mit Medien 227 gesprochen. Hier eine Abschrift des Interviews.

Was mit Medien: Wie kommt es dazu, dass Sie ein Lernbuch zum Journalismus vermissen?

Christian Jakubetz: Es sind tatsächlich viele Lernbücher seit 1970 auf dem Markt. Es ist auch tatsächlich so, wie Sie sagen: Sie sind nicht falscher geworden. Aber sie werden auch nicht richtiger. Ich glaube der entscheidende Haken bei diesen wunderbaren Lehrbüchern ist einfach, dass sie die Entwicklungen, die wir in den letzten Jahren im Journalismus haben, nicht berücksichtigen. Sprich: Digitalisierung, Online und alle diese Geschichten die Sie in Was mit Medien auch als Podcast jeden Tag wunderbar anbieten, das alles ist da nicht berücksichtig. Ich habe sehr viele Gespräche mit Journalistenschülern, mit Studenten, mit Volontären gehabt. Von allen kam die Aussage: “Das was in den Büchern steht ist alles schön und gut, ich weiß jetzt auch wie man eine Überschrift macht und einen Vorspann schreibt, aber wie Journalismus im Jahr 2010 gehen könnte, das weiß ich nach der Lektüre nicht.”

Die Idee für Ihr Buch ist ja auch online entstanden. Ihre ersten Ideen haben Sie in Ihr Blog geschrieben und da gab es dann eine ziemlich große Resonanz Ihrer Blogleser – was waren da die konkreten Anregungen, die Sie dazu getrieben haben, Ihre Buchidee zu konkretisieren?

Die Leser haben tatsächlich gesagt, dass so etwas überfällig ist. Wir wollen wirklich wissen, wie das im Jahr 2010 aussieht. Wie geht Online? Wie gehen soziale Netzwerke? Wie geht Bloggen? Wie macht man Podcasts? All’ die Dinge die in der berühmten gelben Reihe nicht berücksichtigt sind. Nicht weil die Leute damals zu dumm waren, sondern weil es das damals noch nicht gab. Einer hat mir über Paypal, das fand ich sehr nett, eine kleine Überweisung geschickt und hat dann dazugeschrieben “Motivation – die gelbe Reihe!” Ich glaube, besonders junge Leute die in den Journalismus einsteigen fühlen sich durch solche Reihen nicht richtig informiert.

Lassen Sie uns dann darüber reden, wie das Buch aussehen könnte? Erfahre ich eher, wie ich einen Leitartikel schreibe, oder wie ich ein guter, twitternder Journalist werde?

Um ganz ehrlich zu sein: Ich wurde von der Entwicklung auch etwas überrollt. Ich hatte vor eineinhalb Wochen im Blog geschrieben, dass es mich ärgert, dass die Bücher unvollständig sind, und nicht modern genug sind und habe einfach nur die Idee in den Raum geworfen. Seit dem werde ich mit wahnsinnig vielen Mails konfrontiert, in denen steht “mach doch mal dies oder das”. Von daher kann ich jetzt nicht mit gutem Gewissen behaupten, da steht ein fertiges Konzept. Wir werden jetzt nicht noch einmal erklären “wie macht man eine Überschrift”. In den verschiedenen Kapiteln von unterschiedlichen Autoren wollen wir zeigen, was den Journalismus eigentlich verändert hat und wie Journalismus heute aussieht. Praktisches Beispiel: Dirk von Gehlen, Redaktionsleiter von jetzt.de, wird ein Kapitel darüber schreiben, wie ich mit meinem Leser kommuniziere. Wie sieht eine Community aus? Was macht Interaktion aus? Er wird auch darüber schreiben, wie sich Lernen verändert. Ich habe vor 25 Jahren volontiert und habe gelernt, wie man eine Schreibmaschine bedient. Das war nicht kompliziert und das war Wissen für den Rest meines Lebens – dachte ich damals zumindest. Heute stehen wir an jedem Tag vor neuen Entwicklungen. Dirk von Gehlen wird in seinem Kapitel beschreiben, was lebenslanges Lernen für Journalisten bedeutet. Wir haben Autoren, die sich mit sozialen Netzwerken beschäftigen. Was ist das? Ist das nicht mehr als eine Linkschleuder, bei der ich sage, “schaut mal was ich bei mir auf der Seite veröffentlicht habe, oder bei mir im Sender veröffentlicht habe”? All’ diese Dinge, die in den letzten fünf Jahren passiert sind, sollen den Schwerpunkt dieser ganzen Geschichte bilden, ohne dass wir dabei klassisches Handwerk vernachlässigen wollen.

Das Radio ist ja schon älter als fünf Jahre – wird es denn einen Radioteil geben? Oder muss ich das dann doch wieder in der gelben Reihe nachlesen?

Es gibt ganz bestimmt einen Radioteil! Wir wollen natürlich alle klassischen Medien abhandeln. Dazu gehört natürlich das gute, alte Radio. Der Gedanke ist halt nur zu zeigen, wie denn Radio in Zukunft funktionieren kann. Also: Natürlich wird da ein bisschen Handwerk drin stehen, aber wir wollen da natürlich auch neue Tools vorstellen, mit denen jetzt gearbeitet wird. Wir haben eine ganz tolle Radiofrau dabei, die mir auch ganz viel über diese tollen Radiotools erzählte. Ich müßte lügen, wenn ich sagen würde, ich kenne die selber alle. Sie hat mir von einem Tool für mein iPhone erzählt, mit dem ich O-Töne aufnehmen, schneiden und ins Studio oder auf andere Handys spielen kann. In dem Teil wird sicherlich auch Podcasting eine große Rolle spielen.

Wir haben uns auch Gedanken gemacht, was man in so ein Buch reinschreiben könnte. Wir haben an ein Vokabelteil gedacht. Da könnte man so Sachen erklären wie “Rundfunkänderungsstaatsvertrag”, “Verpixelungsrecht” und “Leistungsschutzrecht”. Braucht man sowas?

Ich lade Sie hiermit herzlich ein, dieses Kapitel zu schreiben!

Da haben wir uns ja gerade die spannendsten Begriffe rausgesucht – na gut…

Ob man den “Rundfunkänderungsstaatsvertrag” erklären muß, dass weiß ich nicht – aber man muß erklären, wie das Radio der Zukunft aussieht.

Wir schreiben dann lieber den Teil, wie man sich auf Medienempfängen richtig verhält – da machen wir lieber was kleines, buntes. Aber noch mal zum Ende drei Fakten: Wann soll das Buch denn kommen? Welche Farbe soll der Umschlag haben und steht schon die ISBN-Nummer schon fest?

Das sind drei Fragen, die kompliziert zu beantworten sind. Beim Umschlag tendiere ich zu Weiß. Ich bin da aber durchaus basisdemokratisch und ich denke, das werden wir über eine Diskussion bei Facebook abfackeln. Definitiv wird es nicht gelb! Die ISBN-Nummer steht deswegen noch nicht fest, weil wir immer noch über den Vertrieb reden. Ich denke nicht an einen Verlag. Die Leserresonanz war auch eindeutig: “Mach es nicht mit einem Verlag!” Wir haben uns als Limit gesetzt, dass wir Ende diesen Jahres oder Anfang des nächsten Jahres erscheinen wollen. Das ist natürlich viel zu ergeizig. Aber man weiß ja wie es ist: Wenn wir sagen, wir machen das im nächsten Jahr im Sommer, dann wird es Winter. Intern für uns gilt: Ende des Jahres fertig sein und wir sind dann glücklich, wenn es im Frühjahr soweit ist.

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Übrigens: Wir werden das Projekt genau verfolgen, planen sogar einen Teil im Radiokapitel zu übernehmen. Hierzu hat Christian Jakubetz auch schon etwas in seinem Blog veröffentlicht. Wir freuen uns auf das spannende Projekt.

Lesetipps:

  1. Folge 227
  2. Folge #131
  3. Folge #104
  4. Warum taz.de flattr nutzt – ein Interview mit Matthias Urbach
  5. Medienminister Neumann: Wie der Staat Journalisten schützen will

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  1. Pingback: Starthilfe für den „Universalcode“ « Henning Bulka

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