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Wozu brauchen wir den Deutschen Radiopreis? Was ‘Was mit Medien’ sagt!

Aus Hamburg von Daniel Fiene. Die Fernsehübertragung des Deutschen Radiopreises hat bei Michael von Fernsehlexikon.de nur eins ausgelöst: Großes Gähnen!

“Der Deutsche Radiopreis war nicht, wie es dem Thema angemessen gewesen wäre, eine Radiosendung, die eben auch im Fernsehen gezeigt wurde, sondern eine Fernsehsendung, die in ihrer ganzen Langeweile live im Radio übertragen wurde.”

Ähnlich lasen sich andere Kritiken zu der Veranstaltung.

Jetzt haben Preisverleihungen ein Problem: Sie sind immer langweilig. Alle haben immer etwas auszusetzen, aber insgeheim werden die  Preisträger und die Gäste auf den schönen Fotos bewundert.

Warum sollte das beim Radiopreis anders sein?

Ich finde, der Radiopreis ist nötig, da Radio in Deutschland ein ganz anderes Problem hat: Bei Kongressen, Verbänden, Nachwuchsveranstaltungen, Kursangeboten und so weiter spielt Radio meistens eine untergeordnete Rolle. Schaut man sich Toplisten mit Journalisten an, sind Radioleute kaum zu finden. Und das, obwohl das Radio zu einem der meist genutzten Medien gehört. Radio ist oft unterrepräsentiert. Trotz Längen und crossmedialen Schwierigkeiten kann der Deutsche Radiopreis bei diesem Problem helfen. Er regt an, über den eigenen Radiokonsum nachzudenken.

Fast schon sympathisch war es, dass das erste Wort ein “Huch” war. Moderatorin Kathrin Müller-Hohenstein strauchelte mit ihrem langen Kleid, als sie aus der Kulisse zur Begrüßung kam. Ansonsten verlief alles für den Unbeteiligten reibungslos. Das hat auch Comedian Thomas Hermanns beeindruckt, der schon so mancher Fernsehpreis-Gala beiwohnte:

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Der Radiopreis soll nicht so verstanden werden, dass sich Private und Öffentlich-Rechtliche auf einmal schrecklich lieb haben, so NDR-Intendant Lutz Marmor “Ich finde, wenn man in einer Branche arbeitet, dann gibt es Wettbewerb und wir unterscheiden uns. Wir möchten als ARD, als NDR, das beste Radio machen. Das ist doch ganz klar. Aber: Wir sind in einer Branche und Kollegialität gehört auch dazu.” (Siehe: Wozu brauchen wir den Deutschen Radiopreis? Was NDR-Intendant Lutz Marmor sagt).

Ebenfalls richtig liegt John Ment. Der Radio-Hamburg-Moderator erklärt, wo die Branche noch ihre Hausaufgaben zu erledigen hat: “Jeder Radiomoderator ist ein Star. Ich glaube das ist etwas, was viele Radiomoderatoren gar nicht wissen. Weil sie eine unglaubliche Reichweite haben und weil sie der Kontakt zur großen, weiten Welt sind. Das ist der Pfund, mit dem wir unbedingt wuchern müssen. Wir müssen immer wieder deutlich machen, dass wir zum Teil mehr Hörer haben, als ‘Wetten, dass ..?’ am Samstagabend. Wenn man die Quote auf die verschiedenen Städte und Stadtteile runterrechnet, dann wird man irgendwann sehen ‘hey, mit meiner Morningshow habe ich viel mehr Zuhörer als die Zuschauer haben’  und das in die Köpfe der Leute reinzubringen, dafür ist so ein Preis natürlich ganz toll.” (Siehe: Wozu brauchen wir den Deutschen Radiopreis? Was Radio-Hamburg-Moderator John Ment sagt!)

Deswegen ist es richtig, dass es den Deutschen Radiopreis gibt. Auch wenn es keine großen Experimente gab. Auch wenn man sich am Deutschen Fernsehpreis orientierte. Auch wenn man auf die Expertise der Grimme-Jury setzte. Letztlich sollte nicht die Gala ausgezeichnet werden, sondern das Medium.

Eigentlich braucht man gar nicht groß drum herum schreiben: Der Deutsche Radiopreis ist eine zweistündige Dauerwerbesendung für das Radio! Verwerflich ist das nicht.

Preisträger “Beste Morgensendung” Stefan Rupp (li.) und Marco Seiffert (radioeins, RBB) beim Deutschen Radiopreis am 17. September 2010 in Hamburg. Copyright: NDR/Philipp Szyza.

Alle Preisträger des Deutschen Radiopreises 2010!

Beste Moderation: Jochen Trus, 105,5 Spreeradio Berlin
Personality des Moderators: Professionelle Performance, Kreativität, Spontanität, Hörernähe, Emotionalität und Stimme. Herausragende Radiopersönlichkeiten, die Begeisterung für Radio wecken und in ihrer Präsentation die große Breite der Möglichkeiten des Radios nutzen.
Begründung der Jury und Video der Laudatio
Laudator: Adel Tawil
Beste Morgensendung: Der schöne Morgen, radioeins, RBB
Alle moderierten Sendestrecken in der »Primetime« des Radios. Außergewöhnliche Beispiele für die Kernkompetenz des Mediums. Die Hörer werden auf kreative und kompetente Art unterhalten, informiert und geweckt.
Begründung der Jury und Video der Laudatio
Laudatorin: Lena Meyer-Landrut
Beste Höreraktion: Antenne Thüringen mit “Ganß nah dran” – Spezial – das DDR-Experiment, Stefan Ganß, Fee Theumer
Interaktionsinitiativen, von Call-in-Aufrufen bis zu Hörerrunden. Auch Off-air-Aktionen. Besondere Ideen, mit denen Radio die Hörer zu Wort kommen lässt, mit ihnen in Dialog tritt und sie zum Teil des modernen Programms werden lässt.
Begründung der Jury und Video der Laudatio
Laudatorin: Kim Fisher
Beste Comedy: “Neues vom Känguru”, Fritz RBB, Ingo Ewert-Mazander, Stefan Warbeck
Alles was Spaß macht, ob Primetime-Comedy oder politische Satire. Auch einzelne Sketche, humoristische Aktionen und Serien. Herausragende Formate für Witz und Humor im Radio.
Begründung der Jury und Video der Laudatio
Laudator: Thomas Hermanns
Bestes Interview: WDR 2, “Montalk”, Christine Westermann, Ulrich Wollenweber, Volker Hanebeck
Entertainment-Talk oder hintergründiges Interview: sämtliche Gesprächsformen im Radio. Themen von Pop bis Politik.
Begründung der Jury und Video der Laudatio
Laudatorin: Maybrit Illner
Beste Reportage: “Letzte Fahrt ins Spielzeugland”, Nordwestradio von Radio Bremen und NDR, Jens Schellhass
Bunt oder eindringlich, live oder gebaut, kurz oder lang: Radiostücke mit dichter Atmosphäre, packenden O-Tönen und Schilderungen sowie spannender Dramaturgie. Sämtliche Themen, auch unterhaltsame Stoffe.
Begründung der Jury und Video der Laudatio
Laudator: Hans-Dietrich Genscher
Beste Recherche: “Bonga Boys. Global Village Stories” Produktion WDR, SR, SWR, RBB, DLF 2009. Gefördert durch die Filmstiftung NRW. Martina Schulte, Nikolai von Koslowski, Gisela Corves
Recherchebeiträge, die politisch, wirtschaftlich oder gesellschaftlich relevante Vorgänge öffentlich machen. Thematisch offen.
Begründung der Jury und Video der Laudatio
Laudator: Stefan Aust
Bestes Sportformat: WDR 2 “Liga Live”, stellvertretend für das ganze Team: Sabine Töpperwien, Sven Pistor Ludwig Hertel
Unterhaltsame O-Ton-Stücke, Live-Reportagen, aktuelle Berichte, Sendungen – alle Formate im Sport.
Begründung der Jury und Video der Laudatio
Laudator: Reiner Calmund
Beste Musiksendung / Beste Sendung: “Lange Nacht: Dir gehört mein Leben”, DeutschlandRadio Kultur, Monika Künzel, Rita Höhne, Stefan Wimmer
Alle Sendungen des Tages. Die Show am Nachmittag, am Abend oder auch einzelne moderierte Musiksendungen.
Begründung der Jury und Video der Laudatio
Laudatorin: Stefanie Kloß
Bestes Sounddesign: “Electronic Musik Poems” von Sunshine Live, Jürgen Wiesbeck, Ulrich Hürter, Matthias Pfaff
Jingles, Dropins, Programmtrailer, Senderkennungen. Auch akustische Gesamtgestaltung von Wellen oder Sendestrecken durch Soundelemente.
Begründung der Jury und Video der Laudatio
Laudatorin: Gesine Cukrowski
Beste Innovation: Bayerischer Rundfunk für “Die Frage on3radio”, “Darf man Tiere essen?”, Michael Bartlewski, Kaline Thyroff
Neue Radioformate oder -konzepte. Vernetzung von Radio und Internet, Podcast- und Online-Aktivitäten. Initiativen, die auf besondere Weise die Möglichkeiten des modernen Radios verdeutlichen.
Begründung der Jury und Video der Laudatio
Laudatorin: Christine Neubauer
Sonderpreise des Beirats
John Ment
Antenne Bayern
ARD-WM-Hörfunkteam
Phil Collins

Preisträgerin Christine Westermann (“Bestes Interview”) beim Deutschen Radiopreis am 17. September 2010 in Hamburg. Copyright: NDR/Philipp Szyza.

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