Münchener Merkur

Wir fordern: Jede Redaktion braucht einen Nerd vom Dienst!

Jeder Redaktion braucht einen Nerd vom Dienst (NvD) – das zeigt eindrucksvoll ein Zeitungartikel des Münchener Merkurs. Von der Netzgemeinde gibt es viel Häme für einen Faux-pas, den sich die Zeitung geleistet hat. Dahinter steckt aber ein wirkliches Problem. Wir haben da einen Lösungsvorschlag.
Von Daniel Fiene.

Der Reihe nach. Heute Vormittag (21.05.) macht dieser Zeitungsausschnitt (siehe Foto) die Runde durch die sozialen Netzwerke (wie zum Beispiel hier). Der Münchener Merkur schreibt doch tatsächlich in seinem Artikel über den Tumblr-Kauf durch Yahoo folgenden Satz:

Yahoo betreibt bereits unter anderem Google und Facebook.

Als Grundlage diente eine DPA-Meldung. Die Netzgemeinde fragt sich: Wer hat hier geschlafen? Wer schreibt so einen Unfug?

Aus “Yahoo betreibt neben Google und Facebook eines der größten Anzeigensystem im Internet” ist also “Yahoo betreibt bereits unter anderem Google und Facebook” geworden. Sprachlich macht die Kürzung vielleicht Sinn. Inhaltlich natürlich nicht. Das zeigt: Hier ist beim Umschreiben leider kaum Hirn benutzt worden. Kann ja mal passieren.

Hätte der Münchener Merkur aber einen Nerd vom Dienst, wäre das nicht passiert. Wir wünschen uns für jede Radio-, Fernseh-, Print- und sogar Online-Redaktion einen Nerd vom Dienst. Der kann dann nicht nur Netzthemen noch einmal gegenlesen und durch kleine Veränderungen bei Formulierungen die Netzgemeinde zum Dahinschmelzen bringen (wer “das Blog” schreibt bekommt gutes Karma), sie oder er kann auch die Redaktion bei der Themenauswahl beraten.

Lassen wir mal die Freude über den Kürzungs-Fehler bei Seite: Die meisten Redaktionen tun sich mit ihrer Netz-Berichterstattung schwer: Womit beschäftigen sich gerade die Menschen im Netz? Was ist gerade wichtig? Was wird von den Medien völlig übertrieben in den Fokus der Berichterstattung gerückt?

Ein NvD kann helfen. Er kann Redakteure und Reporter bei der Themenauswahl beraten und Einschätzungen aus dem Netz weitergeben. Er kann helfen, ein Gefühl für das Netz zu vermitteln.

Vielleicht ist der Nerd vom Dienst auch ein Geschäftsmodell? In Zeiten knapper Redaktionsetats ist so eine NvD-Schicht wahrscheinlich ein kühner Traum. Nicht jede Redaktion hat eine Kollegin oder einen Kollegen, der sich nebenbei den Ruf eines NvD erarbeitet hat. Vielleicht wäre dies aber ein Geschäftsmodell für einen freien Journalisten, der seine Nerd-Berater-Dienste einzelnen Redaktionen anbieten kann. Wenn dann das nächste Mal eine Unsicherheit in einer Redaktion besteht, braucht man nur zum Telefon greifen. Oder zum Instant Messenger. Es geht ja ums Internet.

Was meint ihr? Sollte jede Redaktion einen beratenden Nerd vom Dienst haben? Würde dies die Netz-Berichterstattung in Deutschland besser machen?

vipflash / Shutterstock.com

Nach der AP-Spitzelaffäre: Obamas Glaubwürdigkeit steht auf dem Spiel

Keine gute Woche für Barack Obama: Diverse Krisen bestimmen die Agenda des US-Präsidenten. Darunter eine Krise, die durch seinen Justizminister ausgelöst wurde. Die Nachrichtenagentur AP ist darüber informiert worden, dass Telefonleitungen einiger AP-Journalisten überwacht wurden. Die US-Regierung soll so Informationen über Quellen der Journalisten bekommen haben. War das nur die Spitze des Eisbergs? In unserer Sendung vom 16.05.2013 haben wir darüber mit dem US-Korrespondenten Michael Remke gesprochen.

“Die Aufregung ist sehr groß. Alle Journalisten in diesem Land sind überrascht, dass so etwas überhaupt unter der Obama-Regierung passieren konnte”, so Remke. Immerhin habe Obama zu seiner zweiten Amtszeit eine neue und transparente Politik versprochen.

In diesem Fall ist AP selbst darauf aufmerksam geworden, dass einige Telefonleitungen knackten und etwas nicht damit zu stimmen schien. Darüber hinaus ist die AP von den Behörden informiert worden.  Es gibt in den USA ein Gesetz aus dem Jahr 1972, welches der Regierung erlaubt, im Falle einer Bedrohung für die Nationale Sicherheit, gegen die Presse vorgehen zu können. Der Rahmen ist aber eng gesteckt und die Presse muss informiert werden. Eine Kontrollinstanz gibt es für dieses Vorgehen nicht.

“Wenn man zwei Monate zwanzig Telefonleitungen anzapft, die von Hundert Journalisten benutzt werden, dann weiß man eine ganze Reihe mehr, als eigentlich erlaubt ist”, schätz der US-Korrespondent ein.

Was steckt hinter dieser Bespitzelungsaktion? Obama führt einen Kampf gegen alle Whistleblower, die Interna aus seiner Regierung ohne seine Genehmigung an Journalisten weitergeben. Obwohl sich Obama selbst gerne dieser Methode bedient, wenn diese ihm nützt. Remke: “Wenn er selbst eine gute Geschichte für sich herausgeben möchte, zum Beispiel bei der Tötung von Osama bin Laden, dann lässt er das an die Presse lancieren. Er will die Presse mehr kontrollieren, so hat man den Eindruck. Er benutzt sie auch.”

Sicher ist auch: Bei dieser Affäre ist das letzte Wort noch nicht gesprochen. US-Justizminister Eric Holder hat in einem NPR-Interview angegeben nicht zu wissen, wie oft er Durchsuchungen von Journalisten in den vier Jahren seiner Amtszeit gebilligt habe. Das klingt nach einer Spitze des Eisbergs. “Das empfinde ich als riesen Skandal, das er das nicht weiß”, sagt Michael Remke. “Er sagt ja auch, dass er einige Anträge abgelehnt habe. Ich hätte aber gerne gewusst, wie viele er genehmigt hat. Obama behauptet auch, er habe nichts gewusst. Auch das mag man zumindest anzweifeln. Die ganze Glaubwürdigkeit von Obama und seiner Regierung steht hier gerade auf dem Spiel.”

Presseschau zu diesem Thema:

  • “War es nicht Obama, der immer wieder betont hat: “The bucket stops with me.” Daran sollte er sich wieder erinnern. Was immer in dieser US-Regierung passiert – Obama ist dafür verantwortlich.” — Michael Remke in seinem Blog.
  • “Jay Carney, the White House spokesman, insisted that Obama remained a strong believer in the first amendment that protects journalists’ rights, and supported reporters in their unfettered freedom to mount investigations.” — The Guardian
  • AP-Präsident Gary Pruitt (…) „Es kann keine mögliche Rechtfertigung für eine solche überbordende Sammlung von Telefondaten der AP und ihrer Reporter geben.“ — Handelsblatt
  • Das Schreiben von Pruitt an den US-Justizminister ist auch als PDF veröffentlicht worden.
  • US-Justizminister Erick Holder: Die durchgesickerten Informationen hätten eine Gefahr für die US-Bevölkerung bedeutet. — Tagesspiegel
  • Darrell Issa (Republikanerin) glaubt „dass Mitarbeiter der Regierung unter Präsident Barack Obama glauben, über dem Gesetz zu stehen und niemandem Rechenschaft schuldig zu sein“. — FAZ.net
  • DJV-Sprecher Hendrik Zörner: “Eine Aktion, wie sie in den USA stattgefunden hat, wäre ganz genau so nach der deutschen Gesetzeslage auch bei uns möglich gewesen, sofern ein Richter dieser Aktion im Vorfeld zugestimmt hätte. Aber die Praxis zeigt, dass es in der Regel für Ermittlungsbehörden und Nachrichtendienste einfach ist, einen Richter von solchen Maßnahmen zu überzeugen.” — ZDF Heute

Foto von Barack Obama (oben): vipflash / Shutterstock.com

epublicover

Das tagesaktuelle eBook — ein Experiment auf der re:publica von ePubli und der Deutschen Journalistenschule

15 Studenten der Deutschen Journalisten Schule, 99 Artikel, 3 eBooks, 10.000 Downloads in den ersten Stunden nach der Veröffentlichung. Hinter diesen Zahlen steckt ein spannendes Experiment, welches wir auf der re:publica beobachtet haben. Studenten der Deutschen Journalistenschule haben zusammen mit dem Self-Publishing-Dienstleister ePubli ein Experiment durchgeführt: Sie haben an jedem Tag eine Zusammenfassung vieler Veranstaltungen in ein tagesaktuelles eBook veröffentlicht. Dies ist direkt am nächsten Morgen erschienen. Wie hat das Experiment geklappt? Christina Metallinos von der Deutschen Journalistenschule hat uns ihre Sicht geschildert.

Das Motto klingt ehrgeizig. Sie wollten das schnellste eBook der Welt veröffentlichen. Ob dieser Rekordanspruch tatsächlich erfüllt wurde, konnten wir nicht überprüfen; auf jeden Fall stand jeweils am nächsten Morgen pünktlich das nächste Buch zum Download zur Verfügung. Bis 12 Uhr gab es jeweils das frische eBook gratis. Seit dem können die für 2,99 Euro in den gängigen eBook-Shops gekauft werden.

“Es müssen nicht immer Storifys sein”, erklärt Christina Mettalinos, warum diese Darstellungsform für eine aktuelle Konferenz-Berichterstattung ausgewählt worden ist. “Allerdings haben wir uns im Laufe der Konferenz eher in ein eMag verwandelt”, so die junge Journalistin. “Die Leser waren nach dem ersten Tag erstaunt, dass wir tatsächlich nur Texte in unserem Reader hatten.” Das Team überlegte, wie sie auf die Kritik reagieren konnten. “Wir hatten keinen Fotoredakteur mit vor Ort. Wir haben dann einfach unsere Smartphones genommen und beim Besuch der Veranstaltung Fotos geschossen. So wurden wir schon ab dem zweiten Tag magaziniger.”

Das Experiment zeigt spannende Möglichkeiten

Sonst produzieren Mettalinos und ihre Kollegen im Schulbetrieb nur für sich selbst. Während der re:publica ging es an die große Öffentlichkeit und es hieß: Arbeiten unter echten Bedingungen. Endlich gab es eine Leserschaft. Trotzdem war es für die Journalistenschüler kein Problem, dass die Inhalte nach wenigen Stunden hinter der Bezahlschranke verschwanden:  ”Wir haben natürlich versucht nicht nur Content für ein Gratis-eBook zu produzieren. Die Inhalte sollen den Lesern auch etwas wert sein. Das ist unser unternehmerische Gedanke dahinter.”

Die Gedanken hinter diesem Experiment finden wir spannend: Das aktuelle eBook als Begleitung von einer Veranstaltung oder einem Ereignis ist sehr attraktiv, wie dieses Experiment zeigt. Hier können freie Journalisten, Medienhäuser oder Unternehmen im Corporate-Publishing-Bereich neue Tätigkeitsfelder entdecken. Sowohl für Besucher oder interessierter Beobachter einer Veranstaltung ist so eine Publikation sehr wertvoll. Schon auf dem Weg nach Hause, ergänzt das eBook die eigenen Notizen. Wer es nicht zur Veranstaltung geschafft hat, bekommt dennoch die wichtigsten Inhalte wenigstens zum Nachlesen.

Ein weiterer Pluspunkt: Das eBook ist eine der wenigen journalistisch nutzbaren digitalen Darstellungsformen ist, für die es eine Zahlungsbereitschaft gibt. Das eBook könnte so zu einem Medium werden, in dem die Grundidee der Tageszeitung im Netz weiterlebt.

Eindrücke rund um das Experiment findet ihr auf Twitter unter dem Hashtag #rp13rdr.

Wir verlosen die eBooks

Wollt ihr mitreden? Möchtet ihr euch selbst ein Bild von den eBooks machen? Was haltet ihr von dem Experiment? Sagt es uns gerne in den Kommentaren. Damit ihr euch ein Bild machen könnt, haben wir für euch die Gelegenheit die eBook-Sets zu gewinnen. Die eBooks sind freundlicherweise von ePubli zu Verfügung gestellt worden.

Fill out my online form.

Das Gespräch mit Christina haben wir in unserer Radiosendung vom 16.05. bei DRadioWissen geführt (gibt es auch als Podcast). Das Foto stammt vom Twitter-Account von ePubli.

Folge 304

Wir reden [02:18] mit Johannes Meyer über das Große Drama Summit zum Thema TV-Serien. [20:30] US-Korrespondent Michael Remke erklärt, wie die US-Regierung AP-Journalisten bespitzelte. [27:40] Die Sache mit dem neuen WDR-Intendanten [40:28] TV-Journalist Daniel Bröckerhoff erklärt offenen Journalismus und sein Projekt st_ry.tv. [1:04:20] Christina Metallinos von der Deutschen Journalisten Schule berichtet von einem eBook-Experiment auf der re:publica.

Details zu den einzelnen Themen gibt es auch auf unserer Sendungsseite von DRadioWissen. Abonniert auch unseren Podcast.

Wir probieren gerade etwas aus – unsere Sendung gibt es jetzt auch bei YouTube:


julian

Von Machern und Erklären — das war die re-publica 2013

1,7 Terrabyte Daten, 13.000 Flaschen Bier, 6.000 Flaschen Mate und ein Internet-Logo — das war in dieser Woche die re-publica 2013. Nicht nur das funktionierende WLAN ist gut angekommen: Die “größte und wichtigste Internetmesse in Deutschland” (ARD-Morgenmagazin) ist noch wichtiger als Treffpunkt für die digitale Szene geworden, die aktiv den Medienwandel mitgestaltet. Zwar ist die “Netzgemeinde” zum großen Teil unter sich, lässt sich aber auch die Leviten lesen.

Darüber hinaus haben nicht nur Agenturen ihre Leute auf die Konferenz geschickt, auch viele Medienhäuser haben in diesem Jahr verstärkt ihre Entscheider geschickt. Im Gespräch sagten einige zu mir, dass sie auf der re-publica an einem halben Tag mehr lernten, als an drei Tagen von einem üblichen Branchenkongress.

Da wir in dieser Woche keine reguläre Radiosendung haben, gibt es als Podcast ein halbstündiges Special mit den Videotageszusammenfassungen von Christian Jakubetz, unseren Gästen und mir (zu sehen hier, hier und hier).

Unseren Podcast könnt ihr hier abonnieren.

Zwei Tipps haben wir noch: Thomas Knüwer hat in seinem Blog Indiskretion Ehrensache eine sehr lesenswerte Zusammenfassung der diesjährigen re-publica aufgeschrieben. Die Schüler der Deutschen Journalistenschule haben zudem für jeden Tag ein eBooks mit den Themen der Konferenz erstellt. Die eBooks gibt es in allen gängigen Formaten für 2,99 Euro hier: Montag, Dienstag, Mittwoch.

Wir haben euch gefragt, mit welchem Hashtag würdet ihr auf die re-publica zurückblicken?

Julian hat sogar eine Zeichnung mit seinem Fazit zur re-publica erstellt – toll!

 

 

 

 

 

 

 

 


Bildschirmfoto 2013-05-05 um 22.44.17

Was tun auf der re-publica? Die Was mit Medien Vorschau auf den Mittwoch #rp13

Der Mittwoch wird ein Power-Mittwoch für alle, die sich für was mit Medien interessieren. Das Programm platzt aus allen Nähten und draußen lockt das schöne Wetter. Wir helfen euch, cool zu bleiben und geben euch den Überblick über die medialsten Events, die sich lohnen. Auch heute bekommt ihr bei Was mit Medien Tipps für euren perfekten Tag auf der re-publica.

Von Daniel Fiene

Für Datenschutz-Interessierte: Europe vs. Facebook — mit Max Schrems um 11:45 Uhr-12:15 Uhr im Workshop D. Der Wiener Student hat etwas geschafft, was Deutschlands Datenschützer in ihrer Gesamtheit nicht geschafft haben. Facebook zum Schwitzen gebracht. Schrems und Facebook tun sich gut, sodass ihr bei seiner Session viel über Datenschutzmechanismen lernen könnt. Mich hat er schon als Gast bei uns in der Rundshow im vergangenen Jahr beeindruckt. In welche Wunde von Facebook er wohl den nächsten Finger legt?

Was zum Nachdenken: Raus aus der Rolle – Behinderung im Fernsehen — mit Raul Krauthausen, Lilian Masuhr, Ninia Binias, Martin Fromme und Erwin Aljukic um 12:30 Uhr-13:30 Uhr im Workshop B. Warum haben wir eigentlich im deutschen TV keinen Moderator, der behindert ist? Das fragte mich letztens ein Kollege von Raul Krauthausen von den Sozialhelden, als deren Seite Leidmedien.de für den diesjährigen Grimme-Online-Award nominiert worden ist. Ich versprach drüber nachzudenken. Wenn ihr das auch machen möchtet, könnte diese Veranstaltung der richtige Ort hierzu sein.

Gönnt euch auch mal Nonsense: 10 Vorschläge um die Welt zu verbessern — mit Felix Schwenzel um 12:30 Uhr-13:30 Uhr auf Stage 2. Wer Felix Schwenzel das erste mal sieht, wird denken, einen Prototyp-Blogger vor sich zu haben: Etwas grummelig, verzottelt und irgendwo rumstehend. Wenn ihr ihn hört, werdet ihr merken, dass Schwenzel sehr unterhaltsam ist. Aber Vorsicht: Hinter seinen lustigen Ausführungen stecken stets sehr kluge Gedanken.

Futter fürs Hirn über Dinge zu denen man keine Ahnung hat: Die Digital Natives ziehen in den Krieg — mit Thomas Wiegold, Sascha Stoltenow um 13:45 Uhr-14:45 Uhr auf Stage 2. Ein Thema, welches in den Medien bisher kaum eine Rolle spielt: Krieg & Social Media sind mehr als Mobbing. Thomas Wiegolds Blog war vor zwei Jahren mit Was mit Medien zum Grimme-Online-Award nominiert. Seit dem lesen wir sehr gerne das Blog des Journalisten und Verteidigungsexperten.

Zwischen Blattkritik und Zeitleiste eines Themas: Die Themenkarriere des Leistungsschutzrechtes für Presseverlage — mit Christopher Buschow um 13:45 Uhr-14:45 Uhr im Workshop B. Eine Veranstaltung über das Leistungsschutzrecht würde ich euch nicht empfehlen. Eine Veranstaltung über “über das Leistungsschutzrecht” aber schon. Der Wissenschaftler aus Hannover zeigt uns, wie sich das Thema LSR in der Öffentlichkeit entwickelte und so letztendlich zum Gesetz wurde. Als Medienjournalisten können wir gewiss einen Aha-Effekt erwarten und etwas über Machtmechanismen lernen.

Themen über und mit diesem Herrn kaufen euch kluge Redaktionen immer ab (war zumindest die letzten zwei Jahre so): It’s not a fax machine connect to a waffle iron — mit Cory Doctorow um 15:00 Uhr-16:00 Uhr auf Stage 1. Vorträge von Cory Doctorow muss man einfach hören. Er gehört zu den klügsten Köpfen im Internet. Da ist der Titel schon fast egal. Wobei dieser Titel zusätzlich für einen Vortragsbesuch spricht. Es geht um die verschrobenen Versuche der Gesetzesgeber, das Internet zu verstehen.

Spannendes Projekt: “Hast Du das schon getwittert?” - Über Nutzen und Risiken von #openjournalism — mit Daniel Bröckerhoff um 15:00 Uhr-15:30 Uhr auf Stage 5. Das ist wieder eins von den Dingern, die nur so semi-spannend von der Beschreibung klingen, aber wer das aktuelle Projekt von Bröckerhoff kennt, wird unbedingt vorbeischauen: Vermutlich wird Daniel dieses Video zeigen. Es handelt von seinem Experiment: Ohne Sender, ohne Produktionsfirma sondern nur mit euch zieht er ein Doku-Projekt durch: “st_ry.tv. deine doku.” wird von der Crowd bestimmt und von der Crowd funktioniert. Ob es funktioniert? Das verrät er uns.

Wenn ihr diese Veranstaltung besucht, könnt ihr gleich sitzen bleiben:

Selbstironie galore — denn man darf auf Konferenzen auch Spaß haben: “Das meld ich dem Rundfunkrat!” – Neues aus der öffentlich-rechtlichen Kommentarambulanz — mit Deef Pirmasens und Simone Stoffers um 15:30 Uhr—16:00 Uhr auf der Stage 5. Wenn ihr denkt, was in den Kommentarspalten unter euren Weberzeugnissen oder Social-Media-Kanälen abgeht sei ein Shitstorm, dann müsst ihr mal Hörerservice bei einem öffentlich-rechtlichen Sender machen. Die Kollegen Pirmasens und Stoffers habe ich im vergangenen Jahr bei meinem Rundshow-Projekt beim BR kennen und schätzen gelernt.

(Oh nein, ich kann euch doch nicht um 15 Uhr noch eine dritte Veranstaltung vorschlagen. Aber Me & My City — mit Martin Spindler und Louisa Heinrich um 15:00 Uhr-16:00 Uhr im Workshop B darf nicht unerwähnt bleiben. Lohnenswert in der Kategorie Horizonterweiterung.)

Die Bauchnabel-Veranstaltung des Tages (muss ja auch einmal sein und falls es bei Cory voll ist): Digital by default – „Digital Natives” im Journalismus — mit Jochen Wegner, Stefan Plöchinger, Katharina Borchert, Friedemann Karig um 16:15 Uhr-17:15 Uhr auf Stage 2. Kleiner Nachrichtenportal-Check-Up. Wie läuft es mit dem digital Journalismus? Wie weit sind die Leser? Kleine Vorwarnung: Mindestens drei der Präsentatoren sind keine Digital Natives, aber um so klügere und geschätzte Köpfe, die das Netz verstanden haben.

Das waren jetzt ganz schön viele Medien-Veranstaltungen, was? Jetzt mal nix mit Medien? Bitte: Richtig essen, richtig schlafen, und lasst die Mate weg: Besser Leben für Geeks — mit Matthias Bauer um 16:45 Uhr-17:45 Uhr auf Stage 3. Yolo.

Was sind eure Tipps für den Mittwoch?

Bildschirmfoto 2013-05-05 um 22.44.17

Was tun auf der re-publica 2013? Die Was mit Medien Vorschau auf den Dienstag (07.05.) #rp13

Tag 2 der re-publica! Unseren Service für alle, die was mit Medien machen, mal was mit Medien machen wollen, oder in der Vergangenheit was mit Medien machten und auch auf der re-publica sind. Wer bisjetzt keine Zeit hatte, das Programm ordentlich zu studieren, der wird sie jetzt auch nicht mehr finden. Aber dafür gibt es uns. Wir kennen das ja. Redaktionsstress bis zum Sprung ins Taxi zum Flughafen, kurzfristige Aufträge (“Ach, Montag ist ja diese Blogger-Konferenz – können Sie für uns hin?”) oder einfach typische Erstbesucher-Probleme. Wie Blabla-Vorträge mit coolen Buzzwords im Titel von versteckten Perlen kluger Köpfe, die sich die letzten Jahre einen Namen gemacht haben, unterscheiden? Wir helfen! Deswegen bekommt ihr bei Was mit Medien jeden Tag Tipps für euren perfekten Tag auf der re-publica.

Von Daniel Fiene

Vielen Dank für eure schönen Kommentare zu unseren gestrigen Tages-Tipps:

Am Dienstag legen wir einen Gang zu! Es gibt mehr zu sehen, mehr zu bereden und mehr Tipps:

Aus der Reihe “mal neue Themen entdecken”: Liebe Kollegen, wusstet ihr, dass euer Job als Journalist bald durch eine Maschine ersetzt wird? Seid nicht traurig. Die Jobs unserer Freunde in anderen Branchen bleiben auch nicht verschont. Das Ende der Arbeit – Wenn Maschinen uns ersetzen — mit Johannes Kleske um 11:15 Uhr—12:15 Uhr auf Stage 3. Im Dezember hatte Johannes uns noch von seinem Erfahrungen als Quantified-Selfer im Online-Talk berichtet. Sein analytisches Talent beeindruckt uns immer wieder. Hingehen.

Möchtet ihr euch neu erfinden? Goldene Zeiten für Entrepreneurial Science Journalism? — mit Ulrike LangerDino TrescherPatrick Klügel und Sebastian Turner um 11:15 Uhr-12:15 Uhr auf Stage 7. Schon Entrepreneurial Journalism ist sehr speziell. Im Zusammenspiel mit Science Journalism wird es noch spezieller. Wenn euch euer Alltag nervt, solltet ihr vorbei schauen.

Ein Blick hinter die Kulissen der Blogwelt: Unser Blog soll schöner werden — mit um 11:15 Uhr-12:15 Uhr mit Markus Beckedahl auf Stage 2. Nicht ohne Grund ist der re-publica Mitgründer darauf stolz, dass aus seinem Blog netzpolitik.org ein kleines Massenmedium wurde. Aber was bringt das mit sich? Wie sieht es mit dieser Finanzierung aus, von der immer alle reden? Der perfekte Ort, um ein paar Insights aus der Blogwelt zu lernen.

Ein Blick in die Zukunft: Das vernetzte Auto – wie verändert sich unsere Mobilität? — mit Dieter Zetsche und Martin Randelhoff um 13:45 Uhr-14:45 Uhr auf Stage 1. Hier kommen zwei Themen zusammen, die mich sehr faszinieren. Vor wenigen Wochen war Martin unser Gast im Online-Talk, da Herr Pähler und ich sein Blog Zukunft Mobilität ganz hervorragend finden. Wenn er jetzt mit dem Daimler-Chef über das Auto der Zukunft wird das garantiert inspirierend, denn vor zwei Jahren sprachen wir über das vernetzte Auto ebenfalls im Online-Talk und seither kann ich es nicht abwarten, bis wir das fahrerlose Auto bekommen.

Auch für Nicht-Eltern: Netzgemüse: The Kids Are Alright mit Tanja Haeusler und Johnny Haeusler um 15:00 Uhr-15:30 Uhr auf Stage 2. Tanja und Johnny haben ein sehr gutes Buch für Eltern geschrieben, die ihre Kids in dieser verrückten digitalen Welt irgendwie großziehen sollen. Das ist eine Pflichtlektüre! Vor drei Jahren habe ich mit den beiden schon ein tolles Interview zum Thema Kinder, Eltern und das Netz geführt – auch vor kurzem unser Online-Talk zum Thema das digitale Klassenzimmer fand ich sehr fruchtbar. Obwohl ich keine Kinder habe, werde ich mir diesen Vortrag von den re-publica Mitgründern anhören.

Nostalgie trifft Fortschritt: decoding a book – Was ist Buch? — mit Wibke Ladwig um 12:30 Uhr-13:30 Uhr auf Stage 7. Wibke Ladwig lessen wir gerne auf Twitter. In dieser Session will sie das Buch neu denken. Sie arbeitet mit Verlagen genau zu diesem Thema zusammen und wird uns ihre Ergebnisse präsentieren.

Tipp in eigener Sache aka Tipp des Tages: Das Digitale Quartett — mit Ulrike LangerThomas Knüwer und mir um 20:00 Uhr-21:00 Uhr auf Stage 2. Seit mehr als einem halben Jahr senden wir jeden Montagabend eine Talkshow über Digitalthemen auf YouTube. Dieses Mal wird alles anders: Wir veranstalten ein analoges Quartett. Statt vor dem Internet sitzt ihr im Publikum. Statt Twitter gibt es Papier. Statt Hashtags könnt ihr euch eine Flasche Bier mitbringen. 60 Minuten Talk-Nonsense. Garantiert informativer als Günther Jauch und unterhaltsamer als Frank Plasberg.

Feiert schön und ruht euch gut aus, denn am Mittwoch platzt das Programm aus allen Nähten, was Medienthemen angeht!

Was sind eure Tipps für den Dienstag?
Meine re-publica Tipps für Mittwoch veröffentliche ich am Dienstagnachmittag. 

Seite 1 von 4412345...102030...Letzte »